Oscarreif: Cate Blanchett in Woody Allens „Blue Jasmine“

Trügerische Sicherheit: Jasmine (Cate Blanchett) auf der Terrasse ihres Landhauses. Foto:  Warner

Woody Allens neuer Film erzählt die Geschichte der neurotische Society-Lady Jasmine (Cate Blanchett), die nach der Verhaftung und dem Selbstmord ihres Mannes Hal (Alec Baldwin) ihren freien Fall in die Ungewissheit mit Martinis und Psychopharmaka betäubt.

Erst wirkt es wie ein freundliches Gespräch zwischen zwei Sitznachbarinnen im Flugzeug. Es dauert einen Moment, bis spürbar wird, dass diese elegante Lady, die von ihrem Luxusleben und der unschönen Entdeckung spricht, dass ihr erfolgreicher Unternehmermann in Wirklichkeit ein Betrüger war, zu keinem kommunikativen Austausch fähig ist. Sie nimmt ihr Gegenüber nicht wahr, textet es nur zu und räubert subtil und attraktiv lächelnd Aufmerksamkeit. Ein genialer Einstieg in Woody Allens neuen Film „Blue Jasmine“.

Der 77-jährige Regiemeister ist nach einigen Filmjahren in Europa in die USA zurückgekehrt, und er bewegt sich hier wieder einmal jenseits seines Stammgenres Komödie. „Blues Jasmine“ reicht nicht an das bezwingend-kalte Meisterwerk „Match Point“ (2005) heran, ist aber trotz einiger Schwächen ein hochklassiges Psychogramm geworden. Ganz zugeschnitten auf die famose, oscarreife Hauptdarstellerin Cate Blanchett.

Sie porträtiert mit feinen darstellerischen Nuancen die neurotische Society-Lady Jasmine, die nach der Verhaftung und dem Selbstmord ihres Mannes Hal (Alec Baldwin) gesellschaftlichen Status, Pelze, Schmuck, ihre riesige Wohnung an der Park Avenue und ihre Freunde verliert und dann den freien Fall in die Ungewissheit mit Martinis und Psychopharmaka betäubt.

Und Woody Allen macht es ihr beileibe nicht leicht, lässt auch die Zuschauer zwischen Anziehung und leisem Grausen schwanken. Jasmine zieht zu ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins) nach San Francisco und will neu anfangen - in völliger Alltagsuntüchtigkeit und mit der immer deutlicher hervortretenden Unfähigkeit, sich selbst einzuschätzen.

Zu holzschnittartig ist die patente Welt der Supermarktkassiererin Ginger, die schon fast aufdringlich bodenständig wirkt und das Herz auf dem rechten Fleck hat, gegen die schicke Ostküsteneleganz gestellt. Auch eine Darstellerin wie Sally Hawkins („Vera Drake“, „Happy-Go-Lucky“) kann hier nicht mehr als Charme und Schnuckligkeit aus ihrer modeschmuckbehängten Figur holen.

Auf einer Party lernt Jasmine dann den gut aussehenden Diplomaten Dwight (Peter Sarsgaard) kennen und scheint sich schon bald wieder nahtlos in ein Oberschichtsleben einklinken zu können.

Bis sie mit verrutschtem Unterrock und verlaufenem Augen-Make-up durch die Stadt irrt, die Schweißflecken auf ihrem Designerkleid immer größer werden und Woody Allen es seiner Figur erlaubt, kurze Momente von Selbsterkenntnis zu erleben. Überraschende Wendungen inklusive.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: vier von fünf Sternen

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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