Auftakt der Wilhelmshöher Schlosskonzerte im Ballhaus mit dem viel beklatschten Mandelring Quartett

Otto Desoff - Begegnung mit einem Komponisten

Kassel. Kennen Sie Otto Desoff? Und wussten Sie, dass der als großer Dirigent in die Geschichte eingegangene Musiker 1859 die Nachfolge von Louis Spohr in Kassel angetreten hatte?

Leider hat es Desoff – anders als seinen berühmten Vorgänger – nicht lange in Kassel gehalten, nach nur einer Spielzeit holte man ihn nämlich an die Wiener Hofoper. Die Wilhelmshöher Schlosskonzerte widmen sich in dieser Saison eben diesem Komponisten, der wenige gewichtige Kammermusikwerke komponiert hat, und stellen diese vor allem in Beziehung zum Freund und Weggefährten Brahms. Das großartige Mandelring Quartett stellte nun das einzige gedruckte Streichquartett op. 7 von Desoff in den Mittelpunkt seines Konzertabends im Ballhaus. Neben Haydn und Brahms behauptete sich der Komponist erstaunlich gut und überraschte mit bisweilen kühner Harmonik, reizvollen Pizzicato-Effekten und eigenständigem Charakter. Natürlich bedurfte es der frappierenden Homogenität, des gemeinschaftlichen vollen Sounds und des rhythmischen Esprits der Mandelrings, um die Qualitäten des Werks ins rechte Licht zu rücken. Das Haydn’sche op. 64, 4 beeindruckte trotz der brillanten Leistung von Primarius Sebastian Schmidt in erster Linie durch die flexible, federnd-leichte Ensemble-Leistung. Und das schwergewichtige a-Moll-Quartett von Brahms lebte durch die Spannungsgegensätze von vollem Ton und zurückgenommener Dynamik und Gestik, die in dieser bewussten Gestaltung nicht oft bei Brahms zu finden sind. Auf die Begeisterung der rund 120 Zuhörer hin gab es noch eine hinreißende Polka von Schostakowitsch.

Von Christiana Nobach

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