Witze ohne Verfallsdatum

Interview mit Otto Waalkes: „Komiker sind eben alterslos“

Immer noch der Alte: Otto Waalkes freut sich auf die nächste Tournee. Foto: nh

Otto Waalkes geht auf Tour. Mit seinem Programm „Geboren um zu blödeln“ kommt er im September nach Kassel und Göttingen. Wir sprachen mit dem 64-Jährigen über seinen Comedian-Status, darüber, wie er sich fit hält und was er zur Boulevard-Berichterstattung sagt.

Sie haben es geschafft, dass zwei Generationen mit Otto-Witzen aufgewachsen sind. Wie fühlt sich das an?

Otto Waalkes: Das werde ich auch von Kollegen häufig gefragt: Wie ich das mache, dass sogar die Kinder noch zu mir kommen und mich cool finden. Ich kann nur sagen: Das ist ein tolles Gefühl. Woran es liegt, weiß ich auch nicht, sie halten mich wohl für einen der Ihren, Komiker sind eben alterslos. Mir macht das jedenfalls Spaß. Es hält mich jung.

Und wie passt da das Faultier Sid rein, dem Sie in den „Ice Age“-Filmen Ihre Stimme gegeben haben?

Waalkes: Der ist inzwischen Bestandteil der Show und meiner Figur: Ich spreche Sid ja jetzt schon seit zehn Jahren, und irgendwie verschmilzt man damit förmlich. Für Kinder sind Otto und das Faultier eins. Ich durfte ja auch bei der Entwicklung des Faultieres in Amerika mitwirken.

Und privat?

Waalkes: Da mache ich auch mal gern das Faultier. Ob der Partner dann darauf eingeht, weiß man nicht. (spricht als Sid): „Liebling machst du mir Frühstück, oder wollen wir lieber noch schmusen?“

Sie sind ja der Großvater der Comedians …

Waalkes: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe ja noch keine Enkelkinder. Ich würde mich eher als guten Onkel oder frechen Neffen bezeichnen, denn bei der Comedy spielt das Alter Gott sei Dank keine Rolle. Entscheidend ist, was man macht. Als Unterwäsche-Model hätte man da Schwierigkeiten. Gute Witze haben kein Verfallsdatum.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung? Es gibt ja immer mehr Comedians.

Waalkes: Es gibt viele Talente, die sich durch die neuen Fernsehformate herauskristallisieren, einige füllen mittlerweile ganze Hallen. Das ist die Königsdisziplin, vor Publikum zeigt sich, wer dauerhaft gut ist. Von solchen Könnern kann ich wieder viel lernen.

Ihr Programm „Geboren um zu blödeln“ klingt, als hätten Sie Ihr Leben zusammengefasst.

Waalkes: Ja, das ist stark ottobiografisch, sehr frei nach dem Song des Grafen von Unheilig: „Ich bin geboren, um zu blödeln mit den Witzen dieser Zeit, um sie weiterzuerzählen, bis in alle Ewigkeit.“ Und was dann noch kommt, ist der Otto-Gangnam-Style.

Das heißt, die Leute bekommen viel Neues dargeboten?

Waalkes: Ich nehme wie immer viel Aktuelles auf, da mache ich mir meinen Reim drauf, meist in Form von Parodien. Die Zuschauer wissen schon, was auf sie zukommt: Sie werden auch mal nass gespritzt. Leute in den ersten Reihen kommen mit Regenschirmen und Plastikfolien.

Alte Gags gibt’s nicht?

Waalkes: Doch, sonst wäre es ja kein Wunschkonzert, die Leute dürfen sich was wünschen. Wie in meinem ersten Film die Konsulin von Kohlen und Reibach: „Ich wünsche, dass Sie sofort mein Haus verlassen. - Komisch, das Lied kenne ich gar nicht. - Mein Gott! - Sie dürfen Otto zu mir sagen.“ So funktioniert das.

Sie treten in 45 Städten auf, wird das nicht langweilig?

Waalkes: Nein, das ist doch mein Experimentierfeld: Da entwickeln sich Pointen, ich spreche andere Dialekte, je nach Region. Ich kann alle Dialekte gleich gut - nämlich gar nicht. Das macht einen Riesenspaß, selbst in der Schweiz oder in Österreich.

Sie sind auf Tour lange unterwegs, wie halten Sie sich fit?

Waalkes: Mein Fitness-Programm findet auf der Bühne statt. Außerdem ernähre ich mich gesund, gehe früh ins Bett, schlafe durch, gehe viel spazieren. Schon jetzt bereite ich mich vor, mache ich viel Sport, spiele Tennis, fahre mit Rollerblades. Ich bin ein fleißiges Faultier.

Sie sind lange im Showgeschäft, wie fühlt man sich, wenn man fast täglich sein Gesicht in der „Bild“-Zeitung sieht?

Waalkes: Was soll man da machen, wenn sich die Boulevard-Presse für meine Person interessiert. Das geht schnell vorüber, wenn ein Privatleben so langweilig ist wie meines. Leider, denn außerdem ist es doch kostenlose Werbung. Kritik kommt in Wellen, habe ich festgestellt, mal kommt man überraschend gut weg, dann wieder durchgehend schlecht - auch wenn man im Grunde immer das Gleiche macht. Mal bin ich die lebende Legende, mal der legendäre Lebemann.

Freuen Sie sich auf Kassel?

Waalkes: Ja, Kassel ist eine alte Liebe von mir: Früher bin ich häufig im Wumpicek aufgetreten, jetzt in der Stadthalle. Ich freue mich drauf!

Erinnern Sie sich an Otto-Auftritte im Wumpicek? Melden Sie sich: Tel. 0561/2031401, kulturredaktion@hna.de oder auf www.facebook.com/HNA

Otto, „Geboren um zu Blödeln“, 21.9., 18.07 Uhr, Kassel, Stadthalle, 27.9., 20.07 Uhr, Göttingen, Lokhalle.

Von Nicole Flöper

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