Das Junge Theater in Göttingen zeigt das satirische Musical „Die Berater“

Ein Paar wird optimiert

Mitreißende Gesangseinlage: Max Wiesner (der Stylist, von links), Felix Steinhardt (der Coach), Dirk Böther (Henning), Pascal Goffin (der neue Chef), Anne Düe (Birte) und Thomas Hof (der Nachbar). Foto:  Eulig

Göttingen. Die Idee ist reizvoll: Wenn Berater es schaffen, im Grunde gesunde Unternehmen nicht nur durch ihren Rat, sondern allein durch die Höhe ihrer Honorare in den Ruin zu treiben, wie sähe das wohl aus, wenn man ein Horde Berater auf ein junges Paar loslässt? Das zeigt das Junge Theater Göttingen mit „Die Berater“ (Konzept, Fassung und Regie: Andreas Döring), einem „Musical über den Weg zum Erfolg“. Am Samstag war Premiere.

Bei Birte (Anne Düe) und Henning Rennermann (Dirk Böther) liegt einiges im Argen: Er ist arbeits- und antriebslos und sie hat sich bereits voller Elan im Dschungel von Coaching und Lebenshilfe verheddert. Immerhin, ein Bewerbungsgespräch für ihn ist dabei herausgekommen, abends soll der neue Chef (Pascal Goffin) zum Essen kommen, und nun schlägt die Stunde der Berater: Unversehens wird das traute Heim (Ausstattung: Axel Theune) der Rennermanns von dubiosen Gestalten heimgesucht.

Da ist der besorgte Nachbar Tobi (Thomas Hof), praktischerweise auch eine Art Ernährungsberater, der leicht schmierige Coach Thorsten (Felix Steinhardt) und auch ein verhuschter Stylist und Feng-Shui-Berater (Max Wiesner) darf nicht fehlen. Und ab sofort wird gnadenlos durchberaten. Die Wohnung wird umgeräumt, eine Stelltafel kommt zum Einsatz, das Essen, ja das ganze Leben wird analysiert, als I-Tüpfelchen die Frau als Praline arrangiert.

Das Ensemble überzeugt durch die Bank, die teilweise umgetexteten Popsongs (Musikalische Leitung: Ulf Nolte) werden flott und stimmig dargeboten, der ganze Irrwitz des Beratungsunwesens kann sich ungehemmt entfalten und gibt den Schauspielern reichlich Gelegenheit, kleine Glanzlichter zu setzen. Sehr komisch, sehr kurzweilig, fein beobachtet und pointiert gespielt.

Im zweiten Teil durfte Pacal Goffin eine Art Mephisto geben, es wurde etwas diabolisch, Heilsversprechen und das Streben nach dem Glück waren die Themen. Hier gab es dann doch einige Längen und Unklarheiten.

Ein paar Songs weniger sowie eine Straffung und Konturierung der Texte hätten nicht geschadet. Trotz dieser Einschränkung gab es jedoch immer wieder starke Auftritte, komische Einlagen und Regieeinfälle und ansprechende Gesangsdarbietungen. Freundlicher Applaus.

Wieder am 7., 11.12., Kartentelefon: 0551-495015

Von Udo Angerstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.