Tragik und Wucht: Das Orchester der Universität Kassel spielte Bartók und Dvoák

Mit packenden Attacken

Verdienter Applaus: Dirigent Malte Steinsiek mit Mitgliedern des Uni-Orchesters. Foto: Fischer

Kassel. Béla Bartók, ein Klassiker der modernen Musik, war das Gegenteil eines Mitläufers. 1938 schrieb er an eine Bekannte, dass in Ungarn „die ‚gebildeten’, christlichen Leute fast ausschließlich dem Nazi-System ergeben“ seien. Bartóks bitterer Kommentar: „Ich schäme mich wirklich, aus dieser Klasse zu stammen.“ Zwei Jahre später emigrierte er in die USA, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebte und 1945 an Leukämie starb.

Das Orchester der Universität Kassel präsentierte nun Bartóks Konzert für Viola und Orchester vor knapp 400 Zuhörern in der Zentralmensa am Holländischen Platz. Es ist ein unvollendet gebliebenes Werk aus Bartóks Todesjahr - sein Schüler Tibor Serly ergänzte es später aus den Skizzen. Und es ist eine finstere, nicht eben leicht zugängliche Musik.

Umso mehr muss man das Engagement aller Beteiligten würdigen. Dirigent Malte Steinsiek führte das Uni-Orchester sicher durch seine Einsätze - schön die warm klingenden Streicherakkorde im langsamen Satz „Adagio religioso“. Paul Wiederin, Solobratschist des Staatsorchesters, übernahm den höchst fordernden Solopart, entfachte mit expressivem Ton und packender Attacke ein dunkles Feuer.

In Amerika, unter besseren Umständen, entstand auch Antonín Dvoáks Sinfonie Nr. 9 e-Moll „Aus der neuen Welt“.

Malte Steinsiek und dem Orchester gelang eine imposante, gut ausbalancierte Darbietung spätromantischer Sinfonik - mit der Wucht der Blechbläser und der Pauke, mit blühenden Melodien (Englischhorn im Largo: Michael Brömse) und einer bärenstarken, gegebenenfalls auch delikat leise aufspielenden Streichergruppe. Dafür gab es Lob von Universitätspräsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep und begeisterten Beifall.

Wiederholung des Konzerts am Sonntag, 18 Uhr, in der Friedenskirche, Elfbuchenstraße 3.

Von Georg Pepl

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