Neu im Kino: Steven Soderberghs beklemmender Thriller „Contagion“ über eine Virus-Pandemie

Die Panik breitet sich aus

Ein Virus verbreitet Schrecken: Mitch Emhoff (Matt Damon) verliert Frau und Kind durch den Erreger. Foto: dpa

Die Besucher von Steven Soderberghs „Contagion“ werden auf jedes Husten anders als sonst reagieren. Und nicht wenige werden nach der Vorstellung Haltestangen in Bussen, Türklinken oder Schirme von Bankautomaten verunsichert berühren. Man mag „Contagion“ als Seuchen-Thriller sehen, doch anders als ähnliche Filme wie „Outbreak“, die allenfalls für die Dauer des Films das Fürchten lehren, setzt Soderbergh die Zuschauer größeren Schrecken aus, indem er das Szenario einer Pandemie so realistisch wie möglich und dokumentarisch kühl auf die Leinwand bringt.

Alles beginnt mit einem leichten Husten. Die Leinwand ist noch schwarz, erst wenig später wird man das noch harmlos klingende Geräusch der Geschäftsfrau Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) zuordnen können. Sie ist auf der Heimreise von Hongkong zu ihrer Familie nach Minneapolis. Kaum angekommen, windet sie sich fiebrig und stirbt vor den Augen ihres Ehemannes Mitch (Matt Damon). Kurz darauf stirbt auch sein Sohn - und weltweit werden im Minutentakt vergleichbare Fälle gemeldet. Wie sich das mysteriöse, hochansteckende Virus über den Globus verbreitet, zeigt Soderbergh mit großem Staraufgebot und sichtbar üppigem Budget.

Mit minutiöser Genauigkeit protokolliert der Film, wie alltägliche Situationen wie das Händeschütteln zum lebensgefährlichen Übertragungsherd werden. Während weltweit die Todesfälle in die Millionen gehen, breiten sich von London bis Tokio Panik, Chaos und Vandalismus aus.

Der Film schaltet nicht nur von einem Kontinent zum anderen, sondern wechselt auch zwischen Infizierten, Erkrankten und jenen, die fieberhaft nach einem Impfstoff forschen. So etwa die Epidemiologin der Weltgesundheitsbehörde (Marion Cotillard) oder die Ärztin Erin Mears (Kate Winslet).

Ob menschliche Tragödie, Zerfall der gesellschaftlichen Strukturen oder fragwürdige Interessen von Pharmaindustrie, Politik und Medien - Soderbergh bleibt stets kühl beobachtend und benutzt die Situationen nie, um sie reißerisch auszumalen. Dies ist es dann auch, was „Contagion“ von klassischen Seuchen-Thrillern unterscheidet. Der eigentliche Horror vermittelt sich schleichend. (dapd)

Genre: Thriller

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

Von Axel Schock

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