Er lässt es bimmeln

Als Pantha du Prince macht der Kasseler Hendrik Weber weltweit erfolgreichen Techno

Womöglich ist der Techno-Produzent Hendrik Weber gar kein Musiker, sondern Autor. Sein neues Album „Triade“ hat der Wahl-Berliner, der in Baunatal und Kassel aufgewachsen ist, als Stipendiat in der Villa Aurora in Los Angeles erarbeitet, wo der Schriftsteller Lion Feuchtwanger einst im Exil lebte.

Normalerweise werden in das Haus vor allem Literaten wie Ilja Trojanow und Lutz Seiler eingeladen. Weber passte dennoch dorthin, weil der 40-Jährige für Kritiker der Autor unter den elektronischen Musikern ist. Sie nennen seine Musik auch „Eiskristalltechno“. Dabei passen die neuen Lieder in jede Jahreszeit.

Sommer

Ist als einziger Techno-Künstler bei der legendären Londoner Plattenfirma Rough Trade unter Vertrag: Der in Baunatal und Kassel aufgewachsene Musiker Hendrik Weber alias Pantha du Prince.

„Das neue Album hat etwas Kalifornisches“, sagt Weber, der immer noch keine Gute-Laune-Musik wie die Beach Boys spielt. Aber Songs wie „Lichterschmaus“ klingen irgendwie glücklicher. Als Pantha du Prince macht er nach wie vor Techno für Menschen, die keinen Techno mögen. „Würde man die Beats rausnehmen, wäre es erzählerischer Ambient“, glaubt Weber.

Sein Studio richtete er im ehemaligen Büro von Feuchtwangers Frau Marta ein. Er spielte viel Klavier, traf sich mit Freunden und führte zwischendurch seinem aus Kassel angereisten Vater neue Kompositionen vor.

Winter

Schon vor sechs Jahren war Klaus Heiner Weber mächtig stolz auf seinen Sohn. Damals nahm die Londoner Plattenfirma Rough Trade, die mit Gitarren-Bands wie den Smiths und Superstar Adele Pop-Geschichte geschrieben hat, Pantha du Prince als ersten Techno-Künstler unter Vertrag – ein Ritterschlag. Wenig später gab es für das Meisterwerk „Black Noise“ den Kritiker-Echo.

Damals fühlte man sich durch den Sound in eine Winterlandschaft versetzt, was auch an den Glockenklängen lag, für die Weber ein Faible hat. Auf „Triade“ bimmelt es ebenfalls. Dazu kommen warme Basszupfer, sanfte Esoterik-Geräusche und ein analoges Knistern.

Während der Aufnahmen las Weber ein Buch des Soziologen John Tresch über charismatische Technologien. Das klingt ein bisschen verkopft nach Autorenmusik, aber Weber sagt: „Ich mache Herzmusik.“ Womöglich ist Pantha du Prince eine romantische Maschine.

Herbst

Entstanden sind die neuen Songs mit Musikern des Kollektivs Metabolismus auf der Schwäbischen Alb. Dorthin passt „Triade“ ebenso wie ins herbstliche Nordhessen. Das vermisst Weber manchmal in Berlin: „Ich spüre eine tiefe Verbundenheit mit den dunklen Wäldern.“ Als Kind ist er regelmäßig durch die Langenberge bei Großenritte gezogen. Wenn er nun Familie und Freunde besucht, geht er gern durch den Bergpark.

In Kassel war er als Teenager oft in den Clubs Stammheim und Spot, ehe er nach dem Abitur nach Hamburg zog, wo er Bassist der Indierock-Band Stella wurde. Irgendwann war er den Personenkult im Rock leid.

Auch als Techno-Musiker scheint er sich auf Bildern zu verstecken. Insgeheim träumt er trotzdem davon, einmal einen richtigen Hit zu schreiben, ein Lied für die Charts und nicht für die Kritiker: „Ich tue mein Bestes, aber ich kriege das nicht hin.“ Vielleicht schreibt er eines Tages einen Sommerhit für einen anderen Künstler. Pantha du Prince kann man das ganze Jahr über hören – auch jetzt im Frühling.

Pantha du Prince: Triade (Rough Trade).

Wertung: Vier von fünf Sternen

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