Paolo Conte: Mehr Moll als Dur

Seinen vor zwei Jahren gestorbenen Hund besingt er zwar nicht. Dafür hat ihn Paolo Conte mit Titel und Covergemälde auf seiner neuen CD verewigt - eine für den originellen Italiener typische Schrulle.

„Nelson“ zeigt auch, dass der 73-jährige Pianist und Sänger im Alter immer besser wird. Der Kultstar unter den „Cantautori“ hat sich wie immer vom Leben, diesmal aber auch durch Bücher, Filme oder Kunstwerke für seine 15 Lieder inspirieren lassen.  Herausgekommen ist eines der hinreißendsten Alben seit Langem. Der Meister mit der rauchig-rauen Stimme hat seine Musik wunderbar stimmig instrumentieren lassen, glänzt mit Stücken, die man getrost zu seinen besten überhaupt zählen darf („Clown“, „Massagiatrice“), und zeigt sich bei gewohnter Bärbeißigkeit und Vorlieben für Jazz erstaunlich aufgeschlossen. Einige Songs singt er französisch, spanisch, englisch, einmal lässt er moderne Grooves und Sounds einfließen. Im einzigen schwächeren Stück gibt er Sängerin Laura Conti den Vortritt.  „Nelson“ bleibt stets stimmig – egal ob Conte über Liebe und Entfremdung singt, mit surrealem Humor überrascht oder uns nur mit Stimme und Klavier in den Bann zieht. Trotz aller musikalischer Fantasie und gewohnt dramatischem Gestus klingen diese Einspielungen etwas mehr in Moll als sonst. Die dunkel gefärbte Stimmung setzt sich selbst in einem so unnostalgischen, modernen Titel wie „Sarah“durch. Bei Paolo Conte, das belegt dieses großartige Werk, lässt sich noch viel entdecken. Wir werden nicht müde, ihm zuzuhören. Ullrich Riedler Paolo Conte: Nelson (Emarcy/Universal).

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