Papa macht Quatsch: Olli Schulz im Kulturzelt Kassel

Liedermacher Olli Schulz mit Gitarristin Kat Frankie im Kasseler Kulturzelt. Foto: Zgoll

Dank seiner TV-Shows bekommt Olli Schulz endlich die Aufmerksamkeit, die er schon lange verdient hat. Im Kasseler Kulturzelt stellte der Pop-Entertainer ernste Songs vor und machte doch wieder Quatsch.

Kassel. Es wäre nicht überraschend gewesen, wenn Olli Schulz am Mittwochabend im Kulturzelt zum Kasseler Ehrenbürger ernannt worden wäre. Nicht nur weil der komische Liedermacher eines der besten Konzerte dieser Kulturzelt-Saison abgeliefert hatte. Sondern weil er dafür mitverantwortlich sein muss, dass die nächste documenta auch in Athen stattfindet.

2009 reimte der Wahl-Berliner in seinem Party-Knaller „Mach den Bibo“ nicht nur „Kassel“ auf „Assel“, sondern stellte die Nordhessen-Metropole in eine Reihe mit „Playerstädten“ wie New York, Rio und - Achtung - Athen. Schulz muss hellseherische Fähigkeiten haben.

Vor sechs Jahren trat der Wahl-Berliner noch vor 80 Besuchern im fast leeren Sommer-im-Park-Zelt in Vellmar auf. Mittlerweile ist er durch seine TV-Präsenz an der Seite der Komiker Joko und Klaas sowie seine Pro-7-Show „Schulz in the Box“ zu einer Art Berühmtheit geworden. Das Kulturzelt war mit 900 Fans ausverkauft.

Seinen Hit „Mach den Bibo“ spielt er dort allerdings nicht. Er habe nie eine „Galionsfigur für die Assikultur“ werden wollen, gestand der 41-Jährige, der als saufender Autor Charles Schulzkowski gern Prominente bloßstellt. Mit seinem aktuellen Album „Feelings aus der Asche“ macht Schulz eine „Pause von all dem Quatsch“.

Der Mike Krüger des Indie-Pop kann also auch ernst sein. Mit seiner fünfköpfigen Band, die mit den Gitarristen Dennis Becker (Tomte) und Kat Frankie sowie dem Bassisten Gisbert zu Knyphausen erstklassig besetzt ist, spielt er opulenten Breitwand-Pop, ein bisschen Country und viel Melancholisches wie die Liebeserklärung „Als Musik noch richtig groß war“, deren Rohfassung einst seine Tochter hörte und fragte: „Papa, was machst du für ’nen Krach?“

Zwischendurch macht Papa aber natürlich doch Quatsch. Es soll seine Musik nicht abwerten, aber noch besser als die Lieder sind die Ansagen. Schulz erzählte sympathische Verlierergeschichten wie die von Udo Lindenbergs Aftershow-Party, auf der er den legendären Gitarristen Carl Carlton traf. Das ehemalige Mitglied von Udos Panikorchester schwärmte von Schulz’ TV-Sendungen und fragte irgendwann: „Kannst du mich nicht mal in deine Fußballsendung einladen?“ Er hatte Schulz mit dem ARD-Moderator Arnd Zeigler verwechselt.

Schulz, der sich auch schon mal auf der Gitarre verspielt, bleibt, so die Botschaft, einer von uns. So lustig wie er ist aber kaum ein anderer. Er bringt sogar die Zuschauer auf den Sitzplätzen dazu, ihre Sitzkissen in das Rund zu werfen („Los, ihr faulen Schweine“). Nicht nur bei der minutenlangen Kissenschlacht ist das Publikum begeistert.

Im Zugabenblock des Zweistundenabends erzählt er von seinem Gastspiel auf der „Queen Mary 2“, dem „härtesten Auftritt meines Lebens“. Die Rentner auf dem Kreuzfahrtschiff hätten nur den Kopf geschüttelt über seine Lieder - bis er am dritten Abend die „Fischpolonaise“ coverte. Einen Mitschnitt zeigte er im Kulturzelt auf der Leinwand über der Bühne. Schulz singt: „Was kriegt der Seemann auf See auf ’n Tisch?“ Und die Senioren rufen: „Kabeljau“, „Dorsch“ und „Aal“. Köstlich.

Kulturzelt am Donnerstag, 19.30 Uhr: Gregor Meyle (Restkarten verfügbar)

Kulturzelt am Freitag, 19.30 Uhr: Lisa Simone.

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