Parodiereihe Switch Reloaded: „Das ist Medienkritik“

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Jetzt nehmen sie sich auch noch den Münster-„Tatort“ vor: Boerne (Max Giermann, von links), Thiel (Martin Klempnow) und Klemm (Petra Nadolny) in der Parodie von „Switch reloaded“. 

Fernsehen kann richtig Spaß machen - man darf es nur nicht zu ernst nehmen. Das tut die Satiretruppe um den Comedian Michael Kessler ganz bestimmt nicht: In der Parodieshow „Switch reloaded“ ziehen die Spaßmacher regelmäßig Stars und Sternchen des TV-Programms genüsslich durch den Kakao.

Ab heute zeigt Pro 7 montags neue Folgen. Wir sprachen mit Schauspieler und Autor Michael Kessler (45).

Herr Kessler, das Fernsehprogramm wird immer eintöniger, Castingshows und Doku-Soaps so weit das Auge reicht. Finden Sie überhaupt noch genug Stoff für „Switch reloaded“?

Michael Kessler: Wir finden immer noch was, denn es gibt immer noch genug schlechtes Fernsehen. Das deutsche Programm ist voller Dinge, bei denen man nur noch „Hilfe!“ schreien möchte. Ich glaube, dass die Leute unsere Sendung auch deshalb sehen: Die Zuschauer brauchen ein Ventil für ihren Frust über das Fernsehen. Wir verstehen „Switch reloaded“ bei allem Spaß doch auch als Medienkritik.

Kann man Trash-Formate wie die Dokusoap „Die Geissens“ über einen deutschen Millionärsclan überhaupt noch parodieren?

Kessler: Gerade bei solchen Sendungen ist es schwierig. Parodie muss ja übertreiben, und viele Sendungen sind so schräg, dass es schwer ist, das mit der Parodie noch zu überbieten. „Villa Germania“ auf RTL 2 ist zum Beispiel gruselig. Da geht es um deutsche Rentner, die in Fernost in einem Appartementhaus wohnen und mit Thaimädchen zugange sind. Da fragt man sich schon, wo eigentlich die Landesmedienanstalt bleibt.

Günther Jauch werden Sie auch wieder spielen.

Kessler: Unsere „Wer wird Millionär?“-Parodien waren langsam erschöpft, deswegen bin ich froh, dass Jauch jetzt zusätzlich den ARD-Talk hat - und an dem werden wir uns natürlich vergreifen.

Und was macht Hitler, den Sie in der lustigen Sketchreihe „Obersalzberg“ als schrägen Vorläufer von Bürotyrann Bernd Stromberg parodieren?

Kessler: Hitler ist ja in unserer letzten „Obersalzberg“-Folge als Bernd Stromberg verkleidet geflüchtet. Wo sind die Nazis alle hin? Das wissen wir ja, nach Südamerika. Also hat er sich ein U-Boot geschnappt, ist mit seinen Mitarbeitern Ulf und Ernie abgehauen und eröffnet in Argentinien ein deutsches Schnitzelrestaurant.

Also wird das eine Auswanderer-Soap mit Hitler?

Kessler: Genau. Man muss sich das wie das Format „Goodbye Deutschland“ in den 40er-Jahren vorstellen - und bei uns heißt es deshalb: „Goodbye Großdeutschland“.

Die Shootingstars Joko und Klaas werden in den neuen Folgen auch ihr Fett wegbekommen, war zu erfahren.

Kessler: Es können ja nicht immer nur die Alten eins auf den Dez kriegen, wir müssen uns auch um den Nachwuchs kümmern. Wir werden uns auch den RTL-Comedians widmen, wobei ich Bülent Ceylan verkörpere. Wir mussten darauf reagieren, dass da immer von den „Jungen Wilden“ die Rede ist, und dann stehen da die altbekannten Comedy-Nasen - da sagt man sich: Da stimmt doch was nicht. Außerdem knöpfen wir uns den „Tatort“ vor, und glauben Sie mir: den „Tatort“ aus Münster mit seinen ganzen überzogenen Charakteren kann man wunderbar veralbern.

Können Sie noch Fernsehen schauen, ohne alles auf seine Parodietauglichkeit zu prüfen?

Kessler: Gott sei Dank, ja! Ich liebe Fernsehen, und ab und zu ist ja auch was richtig Gutes dabei.

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