Das Auris Ensemble Aachen beim Soundcheck im Gießhaus

Party für das Gehirn

Das Auris Ensemble aus Aachen: (von links) Michael Reudenbach (Orgelpositiv), Johanna Seitz (Harfe) und James Bush (Violoncello). Foto: Malmus

Kassel. In der Politik gilt Populismus als Schimpfwort, in der Kultur hingegen als legitim. Wer etwa behauptet, dass Musik eine intellektuelle Dimension hat, wird als kopflastiger Snob verdächtigt, da Spaß und Partyfaktor als Wertmaßstäbe gelten. Dabei kann Musik auch eine Party für die Gehirnzellen sein. Wie beim jüngsten Konzert der „Soundcheck“-Reihe im Gießhaus der Uni. Das Motto: „Labirinto musicale“.

Durch tönende Irrgärten führte das Auris Ensemble Aachen die 50 Zuhörer. Barocke Extravaganz mit abenteuerlichen Wendungen und verwickelten Konstruktionen stand auf dem Programm. Gipfelnd im größten Barockkomponisten, den schon die damaligen Verfechter des Leichten gerügt hatten: In Johann Sebastian Bachs Stücken, so um 1740 ein gewisser Herr Scheibe, sei die Schönheit durch „allzu große Kunst“ verdunkelt.

Beispiele für diese Kunst waren hier unter anderem einige Kanons aus Bachs „Musikalischem Opfer“ wie der „Canon Cancrizans“, ein Krebskanon, bei dem eine notierte Stimme von vorn und hinten gleichzeitig gespielt wird. Etwas schade, dass das spezialisierte, einen herben Originalklang bietende Ensemble - Volker Mühlberg, Beatrix Hellhammer (Violinen), James Bush (Violoncello), Johanna Seitz (Harfe) und Michael Reudenbach (Orgelpositiv und Moderation) - bei Bach das Niveau nicht ganz halten konnte. Dennoch ein spannendes Konzert. Bachs „Irrgärten“ haben die Jahrhunderte überdauert - gerade wegen ihrer „allzu großen Kunst“.

Von Georg Pepl

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