Party im Gotteshaus: Michael Patrick Kelly singt in der Kasseler Elisabeth-Kirche

Kein Paddy mehr: Michael Patrick Kelly spielt in der Elisabeth-Kirche ausschließlich christliche Lieder. Foto: Malmus

Kassel. Wenn in Deutschland Menschen ihren Glauben feiern, da könne das Ordnungsamt nicht weit weg sein. So starr halte man sich da an Abläufe und Regeln. So sagt es zumindest Michael Patrick Kelly bei seinem Konzert in der Kasseler Elisabeth-Kirche am Mittwochabend und bittet die etwa 550 Zuschauer daher, „eine richtige Party im Gotteshaus“ zu feiern.

Dabei helfen würden sicher ein paar Hits, und die hat der 38-Jährige in den 90er-Jahren reihenweise gesammelt – als er sich noch Paddy nannte und mit seinen Geschwistern als Kelly Family weltweit erfolgreich war. Doch von dieser Zeit hat sich der Sänger komplett gelöst und blickt nun auf seine jüngere Vergangenheit.

Sechs Jahre hat Kelly in französischen und belgischen Klöstern gelebt, wo er sich regelmäßig in die Keller zurückzog und an neuen Liedern arbeitete. Die handeln ausschließlich vom Glauben, kommen meist in zurückhaltenden Arrangements daher und passen hervorragend in das in Kerzenlicht getauchte Kirchenambiente.

Im intensivsten Moment des gesamten Abends singt Kelly unverstärkt von der Empore herab „Thanking blessed Mary“. Das Publikum steigt ein und dankt dem einstigen Teenie-Idol für so viel Nähe.

Zwischen den Liedern stellt der Künstler gleich mehrere soziale Projekte vor, lässt einen geheilten Drogenabhängigen erzählen und lädt ein zur Anschlussveranstaltung – einem mehr als einstündigen Friedensgebet. Dazu wird die Bühne kurzerhand umgebaut, Kelly musiziert im Halbdunkel mit seinen Bandkollegen begleitend vor sich hin, während ein Großteil der Besucher Kerzen zum Altar trägt und in sich gekehrt in Gebete versinkt. Spätestens jetzt ist das Konzert endgültig zur Messe geworden.

Dass Kelly auf die Hits der 90er-Jahre verzichtet, zeigt, wie sehr er darauf bedacht ist, seinen eigenen Weg zu gehen. Der Mann hat eine Mission, für die er in Kassel viele begeistern konnte. Erst nach dreieinhalb Stunden entlässt er das euphorische Publikum in die Nacht.

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