Die Party ist vorbei: Der neue Sound der Pop-Sängerin Ira Atari

Klassisch ausgebildet an der Kasseler Musikakademie: Mit hartem Electro-Pop wurde die Wahl-Berlinerin Ira Göbel alias Ira Atari bekannt. Nun klingen die Lieder der gebürtigen Zierenbergerin melancholischer. Foto: nh

Berlin / Zierenberg. Spätestens nach sechs Wochen muss Ira Göbel raus aus ihrer neuen Heimat Berlin. „Ich werde dann immer kribbelig“, sagt die 36 Jahre alte Pop-Sängerin, die aus Zierenberg bei Kassel stammt und deren Musik bislang so gut in die Party-Hauptstadt passte.

Als Musikerin hat sich Göbel den Namen Ira Atari gegeben, andere wie ein Schweizer Internet-Portal bezeichnen sie als „deutsche Electro-Prinzessin“. Mit einem tanzbaren Mix aus harten Electro-Beats, wilden Synthesizer-Melodien und einer klassisch geschulten Stimme hat sich Göbel seit ihrem Debütalbum „Shift“ (2001) einen Namen gemacht. Sie ist das weibliche Gesicht des coolen Hamburger Labels Audiolith, das vor allem Electropunk von Bands wie Frittenbude und Egotronic veröffentlicht.

Diesen Freitag verlässt Göbel alias Atari endlich wieder Berlin, um in Kassel aufzutreten, wo sie einst ihr Abitur gemacht und an der Musikakademie Klavier studiert hat. Bei der Wintersause der Uni wird sie den Gästen in der Ing.-Schule ordentlich einheizen, aber auch eine andere Ira Atari mit einem neuen Sound präsentieren.

„Ich hatte genug von meinen alten Liedern“, gesteht Göbel, die lange auf der Suche war nach einem neuen Sound und ihn nun gefunden hat. Die erste Single des im Lauf des Jahres erscheinenden Albums gibt einen guten Eindruck. „Leave It“ mit seinem analogen 80er-Jahre-Klang ist immer noch tanzbar, aber melancholischer. Das Stück klingt nicht mehr nach einer wilden Party im Club, sondern nach den ersten Sonnenstrahlen am Morgen danach.

Der Sound passt besser zu Göbel, die nie das große Party-Girl war. In Kassel saß sie einst im stillen Kämmerlein und bastelte am Klavier an Songs. Später richtete sie sich in ihrem Elternhaus in Zierenberg ein Studio ein und ging am Hohen Dörnberg spazieren.

Der Computer war die Band

In der Pop-Metropole Berlin geht Göbel, die in einer Kommune im 40 Einwohner zählenden Nest Friedrichsaue aufwuchs, nun doch hin und wieder aus, den Wendepunkt in ihrer Karriere erlebte sie aber wohl in Salzburg, wo sie bei einem Konzert am 12. Dezember 2012 den österreichischen Jazz-Schlagzeuger Bernhard Raser kennenlernte. Mit dem 28-Jährigen nimmt sie gerade die neuen Songs auf. Auch privat sind die beiden ein Paar. „Früher war die Band mein Computer, jetzt sind wir ein Duo. Es ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Göbel, die an zwei Tagen in der Woche als Klavierlehrerin arbeitet, weil man dem Musikersein „sonst so ausgeliefert ist“.

Ihr altes Studio in Zierenberg dient nun als Schlafzimmer. Man kann dort prima ausspannen, weil es schalldicht ist. Demnächst wollen Göbel und Raser den Raum aber wieder umfunktionieren, um dort das neue Album abzumischen. Ein weiterer guter Grund, um rauszukommen aus Berlin.

Wintersause der Uni Kassel mit Ira Atari, DJ Tilmann (You FM) und anderen: Freitag, 22 Uhr, Ing.-Schule, Wilhelmshöher Allee 73. www.wintersause.de

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