Gaetano Donizettis beliebteste komische Oper hat am Samstag in Kassel Premiere

Don Pasquale darf ins Fernsehen

Lisa Marie Küssner Foto: fgh

Kassel. Die schrillsten Liebesabenteuer werden heute nicht mehr hinter verschlossenen Türen, sondern in aller Öffentlichkeit ausgelebt - zum Beispiel im Fernsehen. Schrill ist auch die Geschichte vom geizigen und heiratswütigen Junggesellen Don Pasquale in der gleichnamigen komischen Oper (Opera buffa) von Gaetano Donizetti (1797-1848). Der aus Bergamo stammende italienische Komponist feierte mit dem 1843 in Paris uraufgeführten Dreiakter einen seiner größten Erfolge.

Es ist eine derbe Intrige, mit deren Hilfe Don Pasquale von seinem späten Heiratswunsch kuriert wird: Norina, die Don Pasquale mit einem fingierten Ehevertrag angetraut wird, macht diesem das Leben mit aufreizender Verschwendungssucht und durchaus nicht ganz gewaltfrei das Leben zur Hölle. Norinas Ohrfeige für Don Pasquale ist denn auch ein dramatisch-musikalischer Wendepunkt - das Spiel ist zu weit gegangen. Denn am Ende ist der Senior froh, die Furie an seinen Neffen Ernesto loszuwerden, womit das Paar, das sich wirklich liebt, zusammenfindet.

Für die Kasseler Neuinszenierung des „Don Pasquale“, die am Samstag Premiere hat, holt Lisa Marie Küssner in ihrer ersten großen Opernregie diese Geschichte ins Heute - und dahin, wo sie heute am ehesten spielen würde, ins Fernsehen.

Es ist eine Art Beziehungsshow, in der Don Pasquale seine Frau sucht und dann überwiegend bittere Erfahrungen machen muss. Für Lisa Marie Küssner ist es allerdings wichtig zu zeigen, dass diese Oper zwar derbe Späße enthält, aber kein Klamauk ist: Vielmehr möchte sie deutlich machen, dass alle Figuren dieser Geschichte ihre Abgründe haben. Dafür steht auch die zwar temporeiche, dabei aber differenzierte und hintergründige Musik Donizettis.

Eine Besonderheit dieser Inszenierung ist es, dass die Bühne als TV-Studio mit Zuschauern ausgelegt ist. Neben dem Chor können jeweils 18 Opernbesucher auf der Bühne in diesem „Studio“ Platz nehmen. Aktiv ins Geschehen eingreifen muss man aber nicht. Eine solche Bühnenkarte kann für acht Euro gekauft werden - allerdings nicht mehr für die Premiere.

Premiere: Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus. Regie: Lisa Marie Küssner, musikalische Leitung: Marco Comin. Karten unter 0561/1094-222.

Von Werner Fritsch

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