Israelisches Orchester gastiert mit Wagner

Paternostros Tabubruch in Bayreuth

Roberto Paternostro Foto: Meyer/nh

Bayreuth / Jerusalem. Der israelische Journalist und Holocaust-Überlebende Noah Klinger spricht von einer „Kapitulation“. Und viele Menschen in Israel stimmen ihm zu. Was Klinger ärgert, ist ein im Sommer 2011 geplantes Gastspiel des Israelischen Kammerorchesters in Bayreuth mit dem früheren Kasseler Generalmusikdirektor Roberto Paternostro, bei dem Musik von Richard Wagner gespielt werden soll.

Seit Gründung des Staates 1948 ist es in Israel ein Tabu, Wagners Musik in Konzerten zu spielen oder seine Opern aufzuführen. Grund ist nicht allein, dass die Nationalsozialisten und Adolf Hitler Wagner als ihren Komponisten vereinnahmten. Auch Wagners offener Antisemitismus macht ihn vielen Israelis unerträglich. Für Klinger ist er gar „der spirituelle Vater der Rassentheorie“.

Paternostro, der selbst Angehörige während des Holocaust verloren hat, gilt als Dirigent mit einer besonderen Wagner-Vorliebe. Während seiner Kasseler Zeit von 1997 bis 2007 führte er viele Wagner-Opern auf, darunter den Vierteiler „Der Ring des Nibelungen“. Dieser Vorliebe bleibt er treu.

Viele Israelis empört besonders, dass ihr Orchester ausgerechnet in der Wagner-Stadt Bayreuth spielen will. „Die Reise nach Bayreuth hat einen schlechten Beigeschmack“, sagt Efraim Zuroff, Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums.

Paternostro, der mit der Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner befreundet ist, will den Auftritt als „Akt der Versöhnung“ sehen. Er sei überzeugt, „dass nun eine Generation aufwächst, der wir die musikalische Bedeutung Wagners neu vermitteln können, ohne die historische Verantwortung ausklammern zu wollen“. So werde in Bayreuth neben Wagners „Siegfried-Idyll“ auch Musik des von Wagner diffamierten Felix Mendelssohn Bartholdy erklingen. Zuroff tröstet das nicht: „Die Welt wird nicht zusammenmbrechen, aber sie wird ein bisschen schlechter sein.“ (w.f./dpa)

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