Schlagersänger singt von der "Wunderschönen Weihnachtszeit" in Baunatal

Patrick Lindner im Interview: "Gott macht keine Unterschiede"

Freut sich auf Weihnachten: Schlagersänger Patrick Lindner. Foto: nh

Baunatal. Vor seinem Konzert am Sonntag, 18. Dezember, in der Baunataler Stadthalle hat Patrick Lindner er mit der HNA über Weihnachten gesprochen.

Schon im Sommer hat Patrick Lindner Weihnachtslieder gesungen - für sein neues Album. Es heißt „Wunderschöne Weihnachtszeit" und enthält 14 stimmungsvolle Titel. Eine Kostprobe gibt es am Sonntag, 18. Dezember, in der Baunataler Stadthalle. „Wer bis dahin nicht in Weihnachtsstimmung ist, den versetzen wir hinein", verspricht er und sagt Weihnachtsmuffeln den Kampf an. Ein Gespräch mit dem deutschen Schlagersänger und Weihnachtsfan über Gott, Liebe und Homophobie.

Weihnachten läuft in den wenigsten Familien harmonisch ab, warum singen Sie nicht mal vom Streit unterm Weihnachtsbaum oder davon, dass das Geld für Geschenke knapp ist?

Patrick Lindner: Das sind Dinge, über die ich an Weihnachten nicht nachdenken möchte. Weihnachten ist das Fest der Familie, der Liebe, das bekommt leider nicht jeder hin. Das ist schade - ich kenne das auch. Aber ich bin ein unheimlicher Weihnachtsfan.

Sie singen von der wunderschönen Zeit, was genau macht sie so schön? 

Lindner: Es ist ein wunderbares Gefühl, das man in sich verspürt. Dadurch, dass ich das Album im Sommer aufnahm, begleitete mich Weihnachten schon viel früher.

Dann waren Sie schon im Sommer in Feststimmung? 

Lindner: (lacht) Nein, das muss ich zugeben. Aber gerade in den letzten Tagen liefen Weihnachtsaufnahmen fürs Fernsehen, das war sehr festlich. Viele Leute schmücken jetzt ihre Wohnungen, und wenn man übers Land fährt, leuchten überall die Lichter, das finde ich toll.

Sie haben noch einige Auftritte vor sich. Wie still ist diese Zeit tatsächlich für Sie? 

Lindner: Es gibt noch einzelne Termine, unter anderem der in Baunatal, auf den ich mich sehr freue. Aber dieses Jahr mache ich keine Tournee zu Weihnachten, dadurch bin ich viel mehr zu Hause.

Sie singen „wer glauben kann, der glaubt daran“. Woran glauben Sie? 

Lindner: Ich glaube an das Gute. Das hat mich gut durchs Leben geführt, auch wenn ich manchmal vielleicht zu leichtgläubig war.

Hat Ihr Glaube etwas mit der Kirche zu tun? 

Lindner: Nein, eigentlich nicht. Ich gehe nicht regelmäßig in die Kirche, weil man das als Christ so macht. Ich bin ja auch nicht ganz konform mit der katholischen Kirche. Ich glaube, dass Gott keine Unterschiede macht.

Unterschied - ein Stichwort: Sie haben als Homosexueller ein Kind adoptiert und bekamen nicht nur Verständnis... 

Lindner: Das ärgert mich! Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es keinerlei Unterschiede gibt. Die Kirche sagt, schenkt den Menschen Liebe, zieht aber selbst Striche. Auch das ärgert mich, weil man auf der einen Seite Menschen in verschiedene Kategorien einteilt und auf der anderen vorgaukelt, es seien alle gleich - so ist es dann eben doch nicht.

Sie setzten sich mit der Patrick-Lindner-Stiftung gegen Homophobie ein. Haben Sie schon etwas bewirkt? 

Lindner: Ja, ein wunderbares Aufklärungsprojekt an Schulen in München. Es ist wichtig, dass junge Leute erfahren, dass es verschiedene Lebensformen gibt. Kinder rufen sich über den Schulhof „du schwule Sau“ zu und wissen nicht, was sie da sagen. Und es wird konkret geholfen: Es ist immer noch so, dass die Suizidrate bei homosexuellen Jugendlichen vier Prozent höher ist, als bei Gleichaltrigen. Das ist erschütternd.

Wie reagierten Ihre Eltern auf Ihr Coming-Out? 

Lindner: Es war damals eine andere Zeit und meine Eltern konnten damit überhaupt nicht umgehen. Das war sehr, sehr schwer. Daran denke ich nicht gerne zurück.

Diese Weihnachten fehlt ein wichtiger Mensch... 

Lindner: ...meine Mutter. Es ist das erste Weihnachten ohne sie. Es wird Momente geben, wo man in sich geht, an sie denkt und alles schwerfällt.

Haben Sie Angst vor diesen Momenten? 

Lindner: Nein, wir hatten einen wunderbaren Abschied. Ich habe bis zum Schluss ihre Hand halten können. Das war schön und wertvoll.

Termin: „Weihnachtszeit schöne Zeit“, Patrick Lindner, Lena Valaitis und die Stimmen der Berge, Stadthalle Baunatal, Sonntag, 18.12., 16 Uhr, ab 40,60 Euro, HNA-Kartentelefon: 0561/203204.

Patrick Lindner: „Wunderschöne Weihnachtszeit“ (Telamo). Wertung: drei von fünf Sternen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.