Das Quintette Faust und Oliver Triendl beim Musikfest

Perfekte Balance

Gutes Zusammenspiel: Benôit de Barsony (von links) Julien Chabod, Nora Cismondi, Julien Beaudiment, Oliver Triendl und Julien Hardy. Foto:  Schachtschneider

KASSEL Die documenta-Halle wurde zum Pariser Kaffeehaus, denn in der kleinen Suite „L’heure du berger“ von Jean Françaix trifft man auf alte Schönlinge, Pin-up-Girls und nervöse Kleine, die einen furiosen Lärm veranstalten. Dieses spritzige, 1947 entstandene Stück bildete am Donnerstag den umjubelten Abschluss des vierten Konzerts beim diesjährigen Musikfest.

Das französische „Quintette Faust“ besteht aus Julien Beaudiment (Flöte), Nora Cismondi (Oboe), Julien Chabod (Klarinette), Julien Hardy (Fagott bzw. Basson, eine französische Variante des tiefen Doppelrohrblattinstruments) und Benoît de Barsony (Horn). Diese fünf gaben unter Mitwirkung des Pianisten Oliver Triendl in Kassel ihr Deutschlanddebüt. Wo hätte das besser gepasst als bei den „Moments musicaux“ in der documenta-Halle?

Es war ein Abend von hohem Unterhaltungswert und mit exquisiten Künstlern, die sich zu drei verschiedenen Formationen zusammenfanden. Neben dem reinen Bläserquintett (beim F-Dur-Quintett von George Onslow, ausgewogen und mit heiterer Gelassenheit gespielt) gab es Beethovens frühes Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott sowie zu Beginn und am Ende das Tutti aller sechs Musiker.

So richtig französisch war gleich zu Beginn Francis Poulencs Sextett, das mit einem Füllhorn an Ideen zwischen völlig unromantischer Ruppigkeit, aber auch selbstverliebter Melodienseligkeit daherkommt. Die sechs Musiker hatten bei aller Schwierigkeit einen Heidenspaß beim Zusammenspiel. Nicht nur im Quintett stimmte die musikalische Atmosphäre, sondern der ebenso einfühlsame wie genial eigene Akzente setzende Pianist Oliver Triendl wurde offensichtlich mit offenen Armen aufgenommen.

Der Bläservier- oder -fünfklang war perfekt ausbalanciert, doch wurde keinem der fünf seine Individualität genommen. Blicke hin und her, kurzes Auftrumpfen und vornehme Zurückhaltung, wenn andere sich in den Vordergrund spielen sollten, zeichneten das Ensemblespiel aus.

Als Zugabe noch eine weitere Rarität: eine prächtige Toccata aus dem Sextett von Ludwig Thuille.

Von Johannes Mundry

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