Neu im Kino: „Keep Surfing“ porträtiert Wellenreiter in München

Die perfekte Welle

Helden in Strümpfen: Wellenreiter auf dem Eisbach im Englischen Garten. Foto: Prokino

Der Moment, in dem Dieter Deventer das Wellenreiten nach München holte, war ein Zufall. Vor 30 Jahren stand er im Eisbach, der durch den Englischen Garten fließt, auf einem Brett und hielt sich an einem Seil fest. Dann merkte er, dass die Schnur durchhing und es auch so geht.

Heute ist das Wellenreiten im Eisbach eine Touristenattraktion in München, das 300 km vom Meer entfernt liegt. Hier können Surfer eine Welle reiten, die niemals bricht. Der Regisseur Björn Richie Lob hat Deventer und fünf andere Protagonisten fünf Jahre lang begleitet, und auch wenn es abgegriffen klingt, muss man über „Keep Surfing“ sagen: Dieser Film ist die perfekte Welle.

Lob, der bislang vor allem Making-of-Produktionen gedreht hat und selbst Surfer ist, zeigt in seiner Doku unglaubliche Bilder auf und unter Wasser. Benjamin Quabeck („Verschwende deine Jugend“) hat den Film atemberaubend schnell geschnitten, aber wenn die Individualisten über ihr Lebensgefühl reden, kommt er immer wieder zur Ruhe. Produzent Tobias N. Siebert, der für „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ für den Oscar nominiert war, spricht von einem „Popcorn-Dokumentarfilm“. Beim Filmfest München gab es den Publikumspreis.

Einen Preis hätte Lob schon deshalb verdient, weil er die Eisbachsurfer, die bei der Stadt lange verpönt waren und eigentlich für sich bleiben wollten, überhaupt für die Produktion gewonnen hat. Da gibt es etwa den eigenwilligen Walter Strasser, der einst eine Planke in den Eisbach baute, damit die Welle stabil blieb, und kalifornische Profi-Surfer schon mal mit Gewalt aus seinem Revier vertrieb. Heute baut er in Sardinien Didgeridoos.

Für Surfer, das zeigt Lob auch mit Bildern aus Frankreich, Kanada und Tahiti, ist das Leben eine einzige große Welle. Es gibt aber auch Momente, in denen sie tötet. In einer Szene erzählt Dieter Deventer, wie seine Tochter im Eisbach beinahe ertrunken wäre. Es war nur ein Zufall, dass er sie retten konnte.

Genre: Dokumentarfilm

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!!

Von Matthias Lohr

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