Rapper Samy Deluxe bringt als Herr Sorge ein Pop-Konzeptalbum zum Weltuntergang hervor

Ein Pessimist mit guter Laune

Düster: Samy Deluxe alias Herr Sorge. Foto: Wilde Schneider

Am Freitag, dem Tag, für den die Maya das Ende der Zivilisation vorher-sagten, hat Samy Sorge ordentlich ausgeschlafen. Am Abend zuvor hatte Sorge, der sich als Rapper Samy Deluxe nennt, aber gerade halt kein Rapper ist, sein Album im Hamburger Thalia-Theater präsentiert. „Verschwörungstheorien mit schönen Melodien“ heißt das.

Sorge nennt sich für dieses Projekt „Herr Sorge“. Der Name passt: Sorge macht sich Sorgen. Ein Album lang. „Konzeptalbum“ sagte man früher. Die Stücke heißen „Fröhliche Weltuntergangsmusik“, „Diesassda“ oder „Zukunft vorbei“ und fallen dadurch auf, dass Samy, 35, hier nicht rappt, sondern singt. Statt Hip und Hop gibt es Bläser, Synthesizer, Geigen, düstere Beats, ein paar ganz hübsche Ohrwürmchen und mit 19 Songs ein ziemlich in die Länge gezogenes Ende. Musikalisch ist das eine nette, nicht weltbewegende Abwechslung, die etwas ermüdet. Zumal der Hamburger mit deutscher Mutter und sudanesischem Vater den Humor auf Sparflamme kocht, die Hörspielpassagen bemüht wirken und man nicht wirklich weiß, was er sagen will.

Ist es Augenzwinkern oder sein Ernst? Beides, Sorge sieht sich als „gut gelaunten Pessimisten“. „Dieser Weltuntergangshype“, sagt Sorge, „ist wohl eine symbolische Geschichte. Die Tatsache, dass wir uns intensiv damit beschäftigen, zeigt ja, dass wir ein schlechtes Gewissen haben unserer Erde gegenüber.“

Die Idee für sein Popalbum hatte Samy Deluxe 2011. Während ihm „SchwarzWeiss“ die erste Nummer-eins-Platzierung der - seine alte Kombo Dynamite Deluxe eingerechnet - 15 Jahre währenden Karriere bescherte, ging es ihm privat dreckig, „die große Frustphase“ sei angesagt gewesen. So gestimmt begann er ein Album zum Thema „Therapie“, doch dann „wurde das Leben grundlegend besser“, Sorge besann sich darauf, die immer noch eher dunklen Texte mit aufmunternden Melodien und manch Spielerei aufzuhellen. „Mir stand der Sinn nach Gesang. Und nach Popmusik. „Pop kann sehr cool sein.“

Passend zum Alter Ego hat sich Deluxe einen neuen Look gegönnt. Der bietet wirklich Anlass zur Sorge. Er sieht mit Zylinder, wilden Locken und lackierten Fingernägeln aus wie eine Mischung aus Slash und Russell Brand. „Ich dachte, wenn ich schon einen neuen Charakter einführe, dann soll der wiedererkennbar sein.“

Samy Deluxe als Herr Sorge: „Verschwörungstheorien mit schönen Melodien“ (Vertigo/Universal), Wertung: !!!::

Von Steffen Rüth

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