Peter Härtling schreibt erstmals wieder für Kinder

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Peter Härtling

Weinheim - Nach zehn Jahren hat Peter Härtling erstmals wieder ein Kinderbuch geschrieben. Seine sieben Enkel sorgen dafür, dass er über die Probleme der Kinder von heute Bescheid weiß, sagt Härtling, der am Samstag (13. November) 77 Jahre alt wird.

Seit “Theo haut ab“ und “Das war der Hirbel“ gilt Peter Härtling als literarischer “Anwalt des Kindes“. Erstmals nach zehn Jahren hat er nun wieder ein Buch für Heranwachsende geschrieben. In “Paul das Hauskind“ zeigt Härtling, dass nicht nur Kinder aus den vieldiskutierten sozial benachteiligten Problemfamilien Sorgen haben, die ihnen über den Kopf wachsen.

“Mir stinkt das“, sagt der zwölfjährige Paul wütend. Natürlich ist es toll, wenn die Eltern ihrem Sohn zutrauen, auch mal ein paar Tage alleine zurechtzukommen. Doch wenn aus den Tagen endlos lange Wochen werden, dann ist das kein Abenteuer mehr, sondern einfach nur traurig.

Pauls Mutter ist Journalistin und hat ohne Rücksicht auf das Familienleben einen reizvollen neuen Job in New York angekommen. Der Vater ist Werbefachmann und ebenfalls viel unterwegs. Damit Paul nicht alleine in der großen Wohnung in Frankfurt am Main übernachten muss, zieht er von einem freundlichen Nachbarn im Haus zum nächsten.

Die Rentnerin Käthe aus dem Dachgeschoss kocht für Paul. “Doktor Adam“, Rechtsanwalt im Ruhestand, wohnt im Erdgeschoss und berät den Jungen bei seinen Problemen in der Schule. Oberstudienrat Kimmich und die Architektin Hanni geben Paul in der ersten und zweiten Etage Nachhilfe-Unterricht. Gewürzhändler Engin Üdal und seine Model-Frau Bibi aus dem zweiten Obergeschoss kümmern sich genauso um Paul wie das schwule Paar aus dem dritten Stock: Camillo, der Grünen-Stadtrat und Dieter, der Taxifahrer.

Härtling erzählt konsequent aus der Sicht von Paul und zeigt so deutlich, wie sehr das egoistische Verhalten der Eltern die Seele des Kindes verletzt. “Niemandem auf der Welt wünschte er, so allein zu sein. Auch wenn sich ständig jemand um ihn kümmerte. Irgendjemand, bloß nicht seine Mama und sein Papa.“

Eine kurze, willkommene Abwechslung für Paul ist die am Ende erfolgreiche Jagd auf eine Gruppe von Fahrraddieben. Doch als sein Vater an einer Depression erkrankt und die Mutter aus der Ferne nur noch per SMS mit Paul kommuniziert, wird seine Verzweiflung immer größer. Ein Happy End bietet Härtling nicht - aber Hoffnung.

Härtling erzählt Pauls Geschichte in einem wunderbar klaren Stil. Der Autor lenkt den Blick auf Kinderleid, das uns nicht aus plakativen TV-Reportagen anschreit - sondern sich mitten im Wohlstand ganz leise ereignet.

dpa

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