Der Sänger kommt am 26. März 2018 nach Kassel

Interview mit Peter Kraus: „Die Schlagerwelt ist sehr einseitig“

Schlagersänger Peter Kraus über seinen Schulterbruch, die Musik und das Flair der 50er-Jahre und seine neue Show, die ihn auch nach Kassel führen wird.

Bei einem schmerzhaften Unfall in der ARD-Show „Spiel für Dein Land“ hat sich Rock’n’Roll-Legende Peter Kraus (78) seine rechte Schulter gebrochen. Jetzt, zehn Wochen danach, kämpft er noch mit den Folgen. Doch freut er sich sehr auf seine neue Tournee, die im März startet und die ihn auch nach Kassel führt.

Herr Kraus, wie geht es Ihnen nach Ihrem Schulterbruch? 

Peter Kraus:  Die Genesung läuft gut. Ich arbeite mit vielen Therapeuten und bin überzeugt, bis zum Tourneebeginn im März bin ich wieder der Alte. Ich hatte nach dem Unfall Albträume, die sind ausgestanden. Ich habe erstmal alle Projekte auf Anraten der Ärzte abgesagt, um diesen Druck und das Trauma wegzubekommen. Also: Ruhe und Frieden.

Sie gelten als jemand, dem es schwer fällt, nichts zu tun... 

Kraus: Normalerweise ist Musik für mich die allerbeste Therapie. Aber es fällt mir im Moment in meiner Situation schwer, zu reisen: enges Sitzen im Flugzeug, Schlafen im fremden Bett. Ich muss mich jetzt zu Hause ausruhen, will keine schweren Tabletten nehmen.

Half Ihnen die Arbeit am neuen Album, auf dem Kulthits der 50er-Jahre sind, aus der Krise? 

Kraus: Es ging mir schlecht, da bin ich einfach ans Mikro gegangen und habe gesungen, weil mir das Freude bereitet hat. Es ist ganz, ganz ehrliche Musik dabei herausgekommen. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, wie ich etwas singe. Es gab auch keine kalkulatorischen Gründe dafür. Und das hört man in der Stimme - es ist so ehrlich geworden. Das macht mich so happy. Mit anderen Worten: Auch der schlimmste Zustand hat etwas Positives. Auf die neue CD bin ich wahnsinnig stolz. Von diesen 15 Songs behaupte ich zum ersten Mal, dass es die beste CD ist, die ich je gemacht habe.

Was war für Sie das Schönste an den 50er-Jahren?

Kraus: In so jungen Jahren zum Teenageridol zu werden, das war das Schönste. Das war damals ein völliges Novum.

Sie wurden als der deutsche Elvis gehandelt...

Kraus:  Das hat mir geschmeichelt, aber mit solch einem Prädikat muss man auch vorsichtig umgehen.

Sie sind einer von denen, die immer jung wirken. Sind ihre Fans auch so vorteilhaft wie Sie gealtert? 

Kraus: Schwer zu beantworten. So gut erkennt man die Leute von der Bühne aus auch nicht. Ich bin immer in Bewegung gewesen, halte mich aber nicht an ein bestimmtes Programm. Alles, was man für den Körper tut, muss aus Freude heraus passieren.

Sie haben mit „Das Beste kommt zum Schluss“ schon eine Abschiedstournee gespielt, jetzt stehen Sie wieder auf der Bühne. Wann ist Schluss?

Kraus:  Ich weiß nicht, was in der Zukunft passiert. Aber ich hatte das Verlangen, diese 50er-Jahre-Show zu machen. Ob ich weiter mache, glaube ich eigentlich nicht, ich gehe langsam auf die 80 zu, da muss ich mich anders besinnen - auch meiner Frau zuliebe.

Sie sagen, dass Ihre Fans immer jugendlichere Dinge von Ihnen verlangen, Sie aber älter werden. Was wollen Ihre Fans? 

Kraus:  Ich habe mal Songs von Bands wie Culcha Candela auf meine Art gesungen, das kam gut an. Eigentlich will ich das Flair der 50er-Jahre auf die Bühne bringen - das Simple. Das gibt es nicht mehr. Heute funkelt und scheppert alles.

Fehlt es den deutschen Charts an Rock’n’Roll?

Kraus: Ja! Rock’n’Roll ist ein Rhythmus, der ins Blut und in die Beine geht. Bei uns ist die Basis oft der Marsch. Bumpf, bumpf. Das ist etwas deprimierend und nicht meine Musik.

Was halten Sie als Rock’n’Roller von der heilen Schlagerwelt?

Kraus: Ich weiß nicht, was die kritische Jugend macht, aber in der Schlagerwelt ist es sehr einseitig. Man hat das Gefühl, es gibt nur zehn Lieder, die von immer neuen Interpreten gesungen werden.

Peter Kraus: 26.3., Schön war die Zeit, die Kulthits der 50er- Jahre, Kassel, Stadthalle. HNA-Kartenservice: 0561/203204. 

Zur Person

Peter Kraus (78) ist ein österreichischer Schauspieler und Sänger. Mit 14 stand er das erste Mal vor der Kamera, in Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“. Mit Cornelia Froboess bildet er das Traumpaar des deutschen Films. 1957 hat er den ersten Hit „Tutti Frutti“. Es folgen weitere. Kraus lebt mit seiner Frau Ingrid (seit 1969 verheiratet) in der Schweiz. Sie haben zwei Kinder. (may)

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