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Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer stellen Bücher über ihre Tochter in Kassel vor

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Von: Kirsten Ammermüller

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 Musiker Peter Maffay mit Mikrofon in der Hand bei einem Besuch in Kassel.
War zu Gast in Kassel in der Buchhandlung Thalia: der Musiker Peter Maffay. © Pia Malmus

Groß war der Andrang vor der Buchhandlung Thalia in der Innenstadt in Kassel: Peter Maffay war mit seiner Freundin Hendrikje Balsmeyer für eine Signierstunde zu Gast.

Kassel – Die Fans nahmen teilweise mehrere Stunden Wartezeit in Kauf. Das Paar hat mittlerweile den zweiten Band eines Kinderbuchs „Anouk, dein nächstes Abenteuer ruft“ für ihre kleine Tochter veröffentlicht. Wie die Zusammenarbeit funktioniert hat und was der Leser über das Haus Maffay/Balsmeyer erfährt, darüber haben wir mit ihnen gesprochen.

Wie ist die Geschichte entstanden?

Maffay: Die Geschichten hat Hendrikje entwickelt, ich war das erste Publikumsopfer. Balsmeyer: Es liegt schon eine Weile zurück, da war unsere Tochter ein Jahr alt und hat einfach nicht gut geschlafen. Ich habe überlegt, wie ich früher gerne eingeschlafen bin, nämlich mit Geschichten. Die Idee dahinter ist, dass das Kind in der Nacht etwas erlebt, weshalb es abends unbedingt ins Bett gehen möchte. So sind Abenteuergeschichten entstanden – ursprünglich waren sie nur für Anouk bestimmt – sieben Stück für eine Woche Lesestoff.

Was war Ihnen bei der Entwicklung der Figur Anouk wichtig?

Maffay: Der Wunsch ist eigentlich, dass Anouk ein bisschen nach der Mama kommt, die ja auch gerne ein bisschen rumräubert. Balsmeyer: Als Kind sah ich zwar aus, wie das klassische Mädchen, habe aber auch Jungsklamotten angezogen. Wir haben versucht, abwechslungsreich zu arbeiten, zwischen Jungs- und Mädchenthemen, dass es nicht nur einseitig gelesen werden kann, sondern wirklich dual funktioniert. Anouk ist nicht so ein typisches Mädchen, angelehnt an Ronja Räubertochter und Pippi Langstrumpf.

Als Leser hat man das Gefühl, dass man einen guten Einblick bei Ihnen zu Hause bekommt. Wie nah lassen Sie die Leser wirklich an sich ran?

Balsmeyer: Bei der Suche nach der richtigen Illustratorin bin ich auf Joëlle Tourlonias gestoßen, die ich sehr treffend fand. Ich wollte nicht, dass wir Eltern im Buch aussehen wie wir Eltern, weil ich nicht wollte, dass es so aussieht, als wollten wir unsere Tochter vermarkten. Joëlle hat gesagt: „Lass mich mal machen, ich bin die Illustratorin“, und hat uns auf so eine schöne Weise illustriert. Wir fanden es wirklich gelungen. Maffay: Das Kinderzimmer von Anouk zum Beispiel sieht genauso aus, wie bei uns zu Hause. Wir haben das Zimmer abfotografiert und auch meine ganzen Tattoos. Da ist schon sehr viel Autobiografisches drin.

Im Buch geht es um Träume. Welche Rolle spielen für Sie Träume?

Balsmeyer: Wir versuchen das nicht nur auf die Geschichten zu münzen. Denn Kinder haben ja Träume und wir finden es ganz wichtig, dass Kinder an ihre Träume glauben. Dass sie daran glauben, dass ihre Visionen wahr werden können. Maffay: Es gibt noch ein anderes Wort für Träume, welches wahnsinnig wichtig ist, nämlich Fantasie. Kinder erzeugen ihre eigenen kleinen, aber wichtigen Welten und entwickeln mit einem Stofftier Dialoge und kommunizieren sozusagen mit einem Gegenstand. In ihren Träumen, so stelle ich mir das vor, ist das völlig logisch. Und dieses Rollenspiel ist mit ein Schlüssel zu ihrer Entwicklung.

Welche Helden haben Sie in Ihrer Kindheit geprägt?

Balsmeyer: Bei mir eindeutig Pippi Langstrumpf und alle Astrid-Lindgren-Charaktere. Weil das für mich auch nicht so die typischen Mädchen waren. Ich habe damals zum Beispiel Eishockey gespielt und wollte auch immer das machen, was Jungs machen. Ich habe mich gefreut, dass es Charaktere gab, mit denen ich mich identifizieren konnte. Maffay: Ich bin in Rumänien aufgewachsen und wir hatten keine Literatur, oder nur sehr wenig. Ich hatte vier Bände Grimms Märchen. Aber ich wollte nie Froschkönig oder sonst was sein. Meine Heroes waren etwas später die großen Entdecker, wie Magellan und die Konquistadoren – nicht ahnend, was sie Schlimmes angestellt haben. Für mich waren diese Abenteuer Entdeckungsreisen, um herauszufinden, dass die Erde ein Ball ist, sehr spannend. Ich habe dann sehr begeistert „20 000 Meilen unter dem Meer“ gelesen. Und das, was dort an Visionen transportiert worden ist, das ist viele Jahre später Realität geworden.

Auch von Tabaluga gibt es eine neue Geschichte. Wie haben Sie ihn in die Neuzeit eingebunden?

Maffay: Wir haben eine recht politische Geschichte gemacht. „Die Welt ist wunderbar“. Wir wissen, dass das eine recht provokante Behauptung ist, angesichts der Dinge, die wir erleben. An diesen Dingen vorbeizulaufen und sie nicht in irgendeiner Art in eine Geschichte einzubinden und damit eine Quintessenz erzeugen zu wollen, erscheint mir im Augenblick falsch. Friede, Freude, Eierkuchen geht nicht.

Autorin Hendrikje Balsmeyer, Partnerin von Peter Maffay.
Autorin Hendrikje Balsmeyer, Partnerin von Peter Maffay. © Pia Malmus

Hendrikje Balsmeyer, Peter Maffay: Anouk, die nachts auf Reisen geht (Bd.1), 128 Seiten, 15 Euro. Anouk, dein nächstes Abenteuer ruft! (Bd. 2), 160 Seiten, 16 Euro, Ars Edition.

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