Pfarrer, Literat, Zeichner, Naturkundler

Neues Buch erinnert an Nordshäuser Multitalent Philipp Hoffmeister

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Philipp Hoffmeister als bildender Künstler: Das Bildnis eines jungen Mannes, das ihm als mögliches Selbstbildnis zugeschrieben wird.

Kassel. Er schrieb literarische Lebensbilder hessischer Fürsten sowie einen Roman über Philipp den Großmütigen. Er schuf Skizzen und Studien von Landschaften und Bauten und zeichnete systematisch oberhessische Bauerntrachten.

Er war ein begeisterter Naturforscher, referierte im „Verein für Naturkunde“ in Kassel über die Kreuzotter und sammelte Insekten - eine kleine schwarze Fliege aus der Familie der Käsefliegen hieß sogar zeitweilig „mycetaulus hoffmeisteri“.

Philipp Hoffmeister, der ab 1840 drei Jahrzehnte Pfarrer an der ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosterkirche in Nordshausen gewesen ist, war ein vielseitig interessierter und begabter Mann.

Ein vom Förderverein Kultur- und Sozialzentrum Klosterkirche Nordshausen herausgegebener Band, der am Mittwoch, 18.30 Uhr, im Grimm-Museum präsentiert wird, erinnert an den in Eiterhagen geborenen Pfarrer (1804-1874), der doch viel lieber Künstler geworden wäre. Aber zum Theologiestudium in Marburg gab es keine Alternative: „Meine Neigungen blieben dabei unberücksichtigt“, schrieb Hoffmeister in seinen Lebenserinnerungen: „Man glaubte damals, es könne nicht anders sein, als dass der älteste Sohn eines Pfarrers auch wieder Prediger werde.“

Präsentation des Bandes

Mittwoch, 18.30 Uhr, Brüder-Grimm-Museum, Eintritt frei. Referenten: Pfarrer i. R. Heinz Vonjahr, Mitherausgeberin Dr. Karin Berkemann, die Aufsätze beigesteuert haben.

Von besonderem theologischen Eifer künden Hoffmeisters vielfältige Unternehmungen nicht, auch seine Familie kommt in seiner Lebensrückschau nicht vor. Dafür sah er sich als Volkserzieher, der breite Schichten in verständlicher Sprache an wichtige Themen heranführen wollte. Er unterstützte 1848 mit einem besonnenen Aufruf die Verfassungsbewegung in Kurhessen, gab 1869 eine „Hessische Volksdichtung in Sagen und Mährchen, Schwänken und Schnurren etc.“ heraus, und 19 Jahre nach seinem Tod erschien noch ein Kinderbuch, ein „Schatzkaestlein für Knaben und Mädchen“. Dass es bei ihm auch einen zwar zeittypischen, aber doch ausgeprägten antisemitischen Unterton gab, wie in der Novelle „Der Jude Wolff“, verschweigt das verdienstvolle Buch nicht.

Die „Kirche zu Nordshausen bei Cassel“ (um 1843).

Hoffmeister war ein Dilettant im ursprünglichen, besten Sinn, also ein Liebhaber, der aus Freude an der Sache tätig war. Zeitlebens war er mit dem Malerbruder der Märchensammler, Ludwig Emil Grimm, im Briefkontakt. Grimm riet Hoffmeister, „einmal ein Plättchen unmittelbar nach der Natur zu radiren“, ob eine „Waldparthie“ oder einen Wasserfall. Denn: „Durch die wilde treue Striche nach der Natur komt ein eigenthümlicher freier Geist hinein.“

Märchen, Fliegen, Zeichenkreide. Jonas Verlag, 64 S., 15 Euro, Wertung: vier Sterne

Von Mark-Christian von Busse

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