Sänger Philipp Dittberner: „Traurige Lieder helfen mir“

Über kaum ein Liebeslied wurde voriges Jahr mehr diskutiert als über Philipp Dittberners Hit "Wolke 4". Nun kommt der Berliner Songwriter nach Vellmar und hat uns vorab erklärt, warum eine Beziehung nicht perfekt sein muss.

Seit seinem Hit „Wolke 4“ schwebt Philipp Dittberner auf Wolke 7. Mit seinem ungewöhnlichen Liebeslied und den Beats von DJ Marv aus Hannover wurde der Berliner Singer/Songwriter 2015 bekannt. Am 4. Juli gastiert der 26-Jährige beim Vellmarer Sommer im Park. Wir sprachen mit dem ausgebildeten Physiotherapeuten.

Wie haben Sie heute geschlafen?

Philipp Dittberner: Nicht so gut. Ich habe gestern die Terrasse meiner Eltern gefliest. Nachher hatte ich ziemliche Rückenschmerzen. Ich weiß noch nicht einmal, ob die Terrasse gut geworden ist.

Mit dem Rapper Prinz Pi haben Sie den Song „1,40 m“ aufgenommen, in dem es um das Bett, unseren persönlichsten Rückzugsort geht. Ist das Bett für Sie Wolke 4 oder Wolke 7?

Dittberner: Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist das Bett sehr wichtig für mich. Nicht nur zum Schlafen. Ich esse auch dort und gucke Serien. Im Bett kann ich mich verlieren.

Über Ihren Hit „Wolke 4“ wurde heiß diskutiert. Es ging um Zeilen wie: „Lass uns die Wolke 4 bitte nie mehr verlassen / Weil wir auf Wolke 7 viel zu viel verpassen.“ Ist das Lied ein Plädoyer für eine realistischere statt für eine perfekte Beziehung?

Dittberner: Das würde ich so nicht sagen, aber vielleicht finden wir die wahre Liebe auf Wolke 4 statt auf Wolke 7. Den Song habe ich innerhalb von 20 Minuten geschrieben. Und da habe ich mich eben so gefühlt. Das ist aber keine Lebenseinstellung. Auf jeden Fall polarisiert das Lied. Die einen finden es super, die anderen ganz schlimm, aber niemand mittel.

Weil Ihre Musik oft traurig klingt, gelten Sie als Melancholiker. Dabei sollen Sie ein sehr fröhlicher Mensch sein. Was mögen Sie an Melancholie?

Dittberner: Melancholie ist ein wichtiger Bestandteil des Gefühlslebens, den man ausleben muss, um Glück zu empfinden. Selbst wenn niemand meine Musik hören würde, würde ich traurige Lieder schreiben. Sie helfen mir.

Wieso gibt es eigentlich so viele junge Männer mit Gitarre, die über ihre Gefühle singen?

Dittberner: Ein Freund hat mir mal gesagt: „Ich will einfach nur Gitarre lernen, damit die Frauen auf mich stehen.“ Das ist sicher ein Grund. Zudem ist Singer/Songwriter-Musik zu einem Phänomen unserer Zeit geworden. Früher war das lediglich Nischenmusik. Aber Künstler wie Ed Sheeran haben gezeigt, dass man damit auch Massen begeistern kann.

Ist es in Deutschland wirklich einfacher, in die Charts zu kommen, als einen Studienplatz in Medizin zu bekommen, wie Sie einmal gesagt haben?

Dittberner: Ich bin das beste Beispiel dafür. Ich hatte nur ein solides Zweier-Abi und habe wirklich alles versucht, um Medizin studieren zu können. Auch meine Ausbildung zum Physiotherapeuten, die mir auf den Numerus Clausus angerechnet wurde, hat mir nicht geholfen. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Nach der Arbeit habe ich nachts Songs geschrieben. Manche Türen müssen wohl zubleiben, damit andere aufgehen. Jetzt bin ich glücklich.

Physiotherapeut ist aber auch ein schöner Beruf. Man kann anderen Menschen helfen.

Dittberner: Das stimmt. Ein guter Physiotherapeut ist besser als ein Arzt, der nur in eine Richtung denkt. Noch heute schaue ich mir während der Tour ab und an die Schulter des Band-Kollegen an. Aber das Gesundheitssystem macht es einem extrem schwierig. Nur mit teuren Fortbildungen kannst du Geld verdienen.

Wer kümmert sich nun um Ihre Rückenschmerzen?

Dittberner: Das ist das Dilemma: Der Physiotherapeut macht einem die Rückenschmerzen weg und geht mit Rückenschmerzen nach Hause. Ich muss mich wohl einfach auskurieren. Am besten lege ich mich ins Bett.

Gute Besserung.

Dittberner: Danke.

Sommer im Park Vellmar

Ort: Festplatz Vellmar, BrüderGrimm-Straße

29. Juni: Gustav Peter Wöhler

Band.

30. Juni (19 Uhr): Sistergold.

1. Juli: Frieda Braun.

2. Juli: Öczan Cosar.

3. Juli (19 Uhr): Mirja Boes & Band.

4. Juli: Frizz Night mit Philipp Dittberner, Lot, Faber und Mohr.

5. Juli: Heissmann & Rassau.

6. Juli (19 Uhr): Tic Theater Kassel. „Rock The Block - Das ElvisMusical“

7. Juli (16 Uhr): Stephan Becker 7. Juli (19 Uhr): Michael Hatzius.

8. Juli: Stoppok & Artgenossen (mit Christina Lux).

9. Juli: La Le Lu & U-Bahnkontrollöre.

10. Juli (11.30 Uhr): Bernd Gieseking.

10. Juli (18 Uhr): Dark Vatter & Sinne Combo.

11. Juli: Florian Schröder.

12. Juli: Konstantin Wecker & Band.

13. Juli: Element of Crime.

14. Juli: Herbert Pixner Projekt

15. Juli: Die Kernölamazonen.

16. Juli: Bodo Wartke.

17. Juli (19 Uhr): Die Feisten.

Beginn jeweils 20 Uhr (wenn nicht anders angegeben)

Tickets: beim HNA-Kartenservice (0561/203-204) und unter www.piazza.ddticket.de

Geboren: im Januar 1990 in Berlin Ausbildung: zum Physiotherapeuten Beruf: Sänger und Gitarrist Das Album: „2:33“ ist bei Herbert Grönemeyers Plattenfirma Grönland Records erschienen. Privates: Lebt im Berliner Stadtteil Wilmersdorf Hobbys: Tennis. Mit 13 Jahren war Dittberner Siebter der Berliner Rangliste. 

Rubriklistenbild: © nh

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