Pia-Maria Sauer und Angela Ender erhielten Kasseler Kunstpreis

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Die beiden Preisträgerinnen: Pia-Maria Sauer mit ihrem Saxofon und Angela Ender hinter ihrem Kunstwerk (ohne Titel) im Kunstverein. Foto: Malmus

Kassel. „Frische Luft für den erfrischten Geist“ – dieses Trio in Es, komponiert von der neuen Kasseler Kunstpreisträgerin Pia-Maria Sauer, stand Mittwochabend bei einer bejubelten Preisverleihung im Fridericianum auf dem Programm, als neben der Musikerin die bildende Künstlerin Angela Ender die mit jeweils 5000 Euro dotierte Auszeichnung der Dr.-Wolfgang-Zippel-Stiftung entgegennahm.

Der Ausschnitt aus Sauers Komposition „Natur-Bild-Klang“ – der praktischen Examensarbeit in ihrem Kasseler Lehramtsstudium – für die ungewöhnliche Konstellation Altsaxofon (gespielt von Sauer selbst), Baritonsaxofon (Ute Krönung) und Tubax (Willi Genßler) brachte im hochsommerlich warmen, vollen Kunstverein immerhin im übertragenen Sinn Frischluft: nämlich Schwung und Pep durch „nahezu unerhörte Sounds“.

So bezeichnete Laudator Hartmut Schmidt die „luftige und elegante“ Komposition, die extravagant, raffiniert und sehr vertrackt, aber doch irgendwie eingängig und geerdet sei. Wichtigste Inspirationsquelle: Sauers Verbundenheit mit der Natur.

Schmidt hob hervor, welche zentrale und vielfältige Rolle die Musik im Leben der 1989 in Hünfeld geborenen Sauer spielte und spielt – von der Schülerband über den Gospelchor bis zur Uni-Bigband, von der Skaband Skabrot bis zum Saxofon-Oktett Unisax, ob mit Klarinette und Akkordeon oder als charmante Sängerin. Und Oberbürgermeister Bertram Hilgen freute sich, mit Sauer eine Landsfrau aus der Rhön ehren zu dürfen.

Angela Ender, Jahrgang 1983, die zweite Preisträgerin, stammt aus Ulm. Nach dem Studium in München (Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte) absolvierte sie die Kasseler Kunsthochschule, zuletzt als Meisterschülerin von Urs Lüthi. Inzwischen lebt sie auch in Berlin.

Doris Krininger beschrieb, wie Ender aus Weggeworfenem, Fundstücken aus Ein-Euro-Shops oder Plunder von Haushaltsauflösungen ihre Installationen schafft: „eine Poesie des Wertlosen“, indem sie Zivilisationsmüll neu verwerte, hintersinnig umdesigne und dem Trödel in absurden Collagen eine Aura zurückgebe. Krininger schlug den Bogen zu Marcel Duchamps Readymades: Vorgefundenes wird zum Kunstwerk erklärt. In diesem Sinne werde auch Enders von den Gesetzen des globalen Billigmarktes und der Herkunft befreiter „Künstlerkehricht“ zur Kostbarkeit.

Von Mark-Christian von Busse

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