Album "Hidden Beauty" der Band Triosence

Pianist Bernhard Schüler aus Kassel für Jazz-Echo nominiert

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Überrascht von der Nominierung: Songschreiber und Pianist Bernhard Schüler.   

Kassel. Überrascht war Bernhard Schüler, als er von der Nominierung  für den begehrten Musikpreis erfahren hat. Denn eigentlich hat er damit schon fast nicht mehr gerechnet.  

Bernhard Schüler weiß, was er kann. Auch deshalb hat der Pianist und Songschreiber lange damit gehadert, dass seine Band Triosence noch nie für den Musikpreis Echo-Jazz nominiert wurde. Doch damit ist jetzt Schluss: Die Echo Jazz-Jury hat jetzt die Nominierten 2018 für die begehrte Auszeichnung bekannt gegeben – Bernhard Schüler ist in der Kategorie „Instrumentalist/National Piano/Keyboards“ dabei. Damit könnte er der erste Kasseler Jazzmusiker sein, der diesen Preis erhält. 

Nominiert für den Jazz-Echo: Bernhard Schüler

Dabei ist ihm das Gewinnen gar nicht so wichtig, sagt er. „Wir werden gehört“, das ist entscheidend und: „Die Nominierung ist eigentlich schon Wertschätzung genug“, sagt er. Eine „totale Überraschung“, sei sie zudem, denn daran geglaubt, irgendwann zu den Auserwählten zu gehören, hatte er fast nicht mehr.

Denn in der Fachwelt fand seine Band Trisosence, die es mittlerweile seit 18 Jahren gibt, anfangs nie richtig Gehör. „Vielleicht, weil unsere Musik zu eingängig ist“, sagt der Pianist. „Damit hatten wir einen schweren Stand, haben das Feld aber von hinten aufgerollt, uns eine Fangemeinde erspielt und den Jazz entstaubt.“ 

Mit dem aktuellen Album „Hidden Beauty“ und der Tour dazu, bei der die Band rund 70 Konzerte spielte („Es wird immer voller. Es waren Clubs aber auch Hallen mit bis zu 400 Zuhörern dabei.“), wird Triosence auch von der Fachwelt deutlich gehört. Schüler ist nicht länger das, was sein Albumtitel aussagt: eine verborgene Schönheit in der Jazzszene. „Wir haben viel gearbeitet, sind uns treu geblieben und das zahlt sich aus.“ Auch habe sich die Jazzmusik verändert. „Sie öffnet sich mehr.“ Das macht auch die Nominierung deutlich: Auf „Hidden Beauty“ ist die Songstruktur wieder typisch für Triosence, aber eben nicht für den klassischen Jazz und das trotz ihrer klassischen musikalischen Besetzung. Unbefangen spielt sich Triosence durch die unterschiedlichen Stile. Eine Mischung aus Jazz, World und Fusion. Die Kompositionen stammen von Bernhard Schüler, der sich als einen intensiven Bastler am Klavier beschreibt.

Das eigentliche Kunststück ist, dass er trotz aller Komplexität ganz einfach und natürlich klingt. Eigentlich komponiere er ohne Plan und drücke mit der Musik aus, was das Leben mit sich bringt. Deshalb ist „Hidden Beauty“ für ihn ein sehr persönliches Album. Viele der Songs sind in seinem Rückzugsort, in seiner Frankenwald-Mühle mitten im Wald, entstanden. „Ich habe immer darauf gebaut, dass das Publikum unsere Musik liebt“, sagt Schüler. Das tut es. Seit zwei Jahren kann er von seiner Musik leben – vorher unterrichtete er Musik, um über die Runden zu kommen.

Und obwohl erst im Mai die Preisträger bekannt gegeben werden, macht sich der Echo-Jazz schon jetzt für Schüler bemerkbar. „Viele Leute haben auf die Nominierung reagiert und gratuliert und es gibt viele Anfragen von Veranstaltern“, sagt Schüler, der gerade dabei ist, die Auftritte für das nächste Jahr zu planen. „Das ist ein Auftrieb, den wir dankend annehmen“, so der 38-Jährige.

Das sehen auch seine Bandkollegen Stephan Emig (Schlagzeug) und Omar Rodriguez Calvo (Bass) so, sie freuen sich mit ihm über die Auswahl der Jury. Schon bald beginnen sie mit der Arbeitsphase für das neue Album, das Ende des Jahres erscheinen soll. 

Die Band Triosence

Wie seine Siegchancen sind? Bei seiner Antwort ist Schüler ähnlich pessimistisch, wie zuletzt beim Gedanken daran, überhaupt jemals nominiert zu werden. Obwohl er weiß, was er kann. „Wir haben wieder einen schweren Stand, weil wir eine andere Art von Jazz machen“, sagt er. Sollte er gewinnen, wäre er jedenfalls total überrascht – doch das wäre ja nicht das erste Mal.

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