Olga Scheps

Klassik trifft auf Kirmestechno: Pianistin spielt Scooter

Gemeinsame Sache: Die Pianistin Olga Scheps und Musiker H.P. Baxxter (bürgerlich Hans Peter Geerdes) am Piano. Foto: dpa

Heino singt Rocksongs und jetzt gibt es Scooters Kirmestechno in einer neuen Dimension: am Piano. Olga Scheps musiziert ein Tête-à-tête mit HP Baxxter, seit 25 Jahren besser bekannt als Kopf der Technoband Scooter. Wir haben uns das Album aus klassischer und popkritischer Sicht angehört.

Die Klassik

Sanft und irgendwie entrückt kreisen die ersten Akkorde in melancholischem Moll. Cis, A, E, H und wieder von vorn. An das Tänzerische, das man dem Scooter-Hit „4 AM“ ja durchaus nachsagen kann, erinnert noch der recht unübliche Siebenachteltakt. Doch statt einer schwitzigen Clubatmosphäre im Morgengrauen stellt sich beim Hören der Klavierfassung eher ein Gefühl von warmer Wohligkeit ein. Vielleicht ist es das Prasseln eines Kaminfeuers.

Dabei hat die junge deutschrussische Pianistin Olga Scheps längst bewiesen, was sie technisch und musikalisch kann, etwa mit dem ersten Klavierkonzert Tschaikowskys oder der grandiosen „Wanderer-Fantasie“. Die Einspielung der Arrangements auf „100% Scooter“ ist nun ein Schritt in die derzeit angesagte Cross-over-Richtung. Scheps nutzt auch hier konsequent ihr einwandfreies Handwerkszeug, darunter eine kontrollierte und feine Anschlagskultur, den Sinn für Agogik und eine professionelle Distanz zum Notentext. Die Ideen, „Maria (I Like It Loud)“ im trockenen Fugato à la Bach zu spielen oder sich im rasanten „Bigroom Blitz“ über verlorene Groschen und fliegende Hummeln zu ärgern, sind witzige Einfälle. Doch die Klassikpolitur kippt trotzdem zu oft ins Sentimentale. Nützen dürfte das Album am Ende vor allem der Interpretin selbst. Olga Scheps? Das ist die mit dem Scooter-Album.

Die TechnoBeats

Umz umz umz, ein lauter „Hyper“-Schrei - das bringt man mit der Musik von Scooter in Verbindung. Doch die hämmernden Beats und dröhnenden Refrains kommen zu kurz. Scooter-Fans werden von den sanften Pianoklängen, die wie ein funkelndes Diadem auf dem Bum-Bum-Sound sitzen, ihn veredeln und verdrängen, irritiert sein. Zu wenig Druck und Energie, kein Geschrei und flirrende Synthies. Unverkennbar einzig „How Much Is The Fish“.

Eher ein Weihnachtsalbum, das die Kassen hyper klingen lassen wird und H.P. Baxxter, der zur Präsentation im edlen Samt-Jackett kommt, zum 25. Bandgeburtstag den Weg in die Elbphilharmonie ebnet.

Olga Scheps: 100 % Scooter - Piano Only (Kontor/Edel)

Wertung:drei von fünf Sternen

Von Maja Yüce und Felix Werthschulte

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