Sieben Gründe, warum wir uns nach den 90ern zurücksehnen

Comeback eines Jahrzehnts: Darum sind die 90er-Jahre wieder da

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Friede, Freude, Eierkuchen: Die Berliner Loveparade machte Techno zum Massenereignis.

2017 wird voll 90er. Überall wird das Jahrzehnt gefeiert - demnächst auch auf einer großen Party der HNA in der Kasseler Stadthalle. Wir erklären das Phänomen 90er und verlosen Karten.

Die 90er-Jahre begannen am 7. November 1989. Zwei Tage vor dem Mauerfall in Berlin trat die Band Snap! im Ostteil der geteilten Stadt zum ersten Mal live auf. 48 Stunden später war der Kalte Krieg zu Ende, und das anbrechende Jahrzehnt hatte mit "The Power" seinen ersten großen Hit. Geschrieben haben ihn die beiden Frankfurter Produzenten Michael Münzing und Luca Anzilotti, die bis heute daran verdienen, weil ihr Mix aus HipHop, House und Dance einer der meistgespielten Werbesongs ist.

"The Power" wird am 11. März auch in der Kasseler Stadthalle die Fans zum Tanzen bringen, wenn Snap! mit den anderen altbekannten Acts Captain Jack, Fun Factory und Whigfield bei der 90er-Jahre-Party der HNA auftreten. Dafür verlosen wir am Ende dieses Artikels fünf mal zwei Karten. Vorher klären wir aber, warum die letzte Dekade des vergangenen Jahrhunderts nun wieder überall präsent ist. Sieben Thesen, warum die 90er-Jahre prägend waren.

Alle Informationen zur 90er-Party gibt es auch bei Facebook.

1. Es fehlten die neuen großen Ideen. Die 70er waren stilbildend, die 80er provokativ und die 90er? In ihnen gab es "keinen stilistischen Leuchtturm mehr", sagt Markus Caspers, der an der Hochschule Neu-Ulm Professor für Gestaltung und Medien ist und ein Buch über das Jahrzehnt geschrieben hat. Seine These: "Ideen, die einen unbedingten Fortschrittsglauben hatten, wurden nur bis Mitte der 70er entwickelt." Danach gingen den Menschen die Utopien aus. Dieser Zustand hält bis heute an. "Darum bedienen wir uns ganz stark aus dem stilistischen Fundus von früher", sagt Caspers. Es passt daher, dass Anfang der 90er von Historikern das Ende der Geschichte ausgerufen wurde.

2. Ironie wurde zum Massenphänomen. In den 90ern begann der Aufstieg des Moderators Harald Schmidt zur Fernsehfigur, der die Weltsicht einer ganzen Generation prägte. Mit seinen Kommentaren machte er die Ironie zum Massenphänomen. Für den Autor Matthias Kalle hat "die Ironie in den 90er-Jahren das Kondom abgelöst, um sich zu schützen, denn die Ironie wurde eine immer gültige Entschuldigung". Mit ihr kann man heute sogar Trash-Formate wie das RTL-Dschungelcamp mit intellektueller Bedeutung aufladen.

Hat ein Buch über die 90er geschrieben: Hochschullehrer Markus Caspers

3. Es gab kaum Modesünden. Um auf 80er-Jahre-Partys eine gute Figur zu machen, musste man ziemlich mutig sein - etwa wenn man sich eine Dauerwelle- oder Vokuhila-Perücke aufsetzte. Zugegeben: Auch in den 90ern gab es noch eine Reihe an Fußballern, die sich die Haare vorne kurz und hinten lang schneiden ließen. Ansonsten war das Jahrzehnt aber ziemlich frei an Modesünden. Wer heute bauchfreie Oberteile und Tattooketten trägt, muss sich dafür nicht schämen. Nur das Arschgeweih über dem Steiß, das individuell sein sollte, sich aber fast alle stechen ließen, und die hohen Buffalo-Schuhe, in denen Mädchen wie Dinosaurier aussahen, jagen dem Ästhetik-Experten Caspers noch heute einen Schrecken ein.

4. Techno, HipHop und Grunge waren die letzten Musikrevolutionen. So wie den Menschen in den 70ern die futuristischen Ideen ausgingen, so hörte die Popkultur in den 90ern auf, sich zu erneuern. Techno wurde durch die Berliner Loveparade zum Massenphänomen, HipHop gab den Abgehängten eine Stimme, und Grunge vereinte Punk und Metal zu etwas Neuem. Seitdem gibt im Pop ein sich immer wiederholender Retro-Trend den Ton an. Am erfolgreichsten praktiziert dies der britische Superstar Adele. Dass eine Underground-Band wie Nirvana damals über Nacht zu einem weltweit erfolgreichen Act werden konnte, ist nach Ansicht Caspers ein Indiz dafür, dass der bis dahin vor allem links verortete Pop mit dem neoliberalen Turbokapitalismus vereinbar ist: "Mit einer guten Idee kann man weltumspannend Kohle machen."

5. Auch Plastikpop war nun Musik. Wäre es nach Kritikern gegangen, hätten Snap! niemals einen Hit gelandet. "Ihnen sollte man das Handwerk legen", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" über die Produzenten, die nicht einmal Noten lesen konnten und ihre Hits am Computer zusammenbastelten. Heute hören längst auch Puristen, die damals über Plastikpop die Nase rümpften, elektronische Musik.

6. Die Jugend verlängerte sich bis ins Unendliche. Früher rebellierten Jugendliche gegen ihre Eltern, heute gehen sie gemeinsam zum After-Hour-Rave oder auch zur 90er-Party. Das liegt daran, dass auch die meisten Erwachsenen irgendwie Jugendliche geblieben sind. "Anders als früher sind heute fast alle Menschen popkulturell sozialisiert", sagt Caspers. "Eltern stehen nicht mehr staunend vor irgendwas. Sie werden auch mit 70 noch zu Dr. Alban gehen."

7. In unübersichtlichen Zeiten sehnen wir uns nostalgisch zurück. Das Comeback der 90er hat vor allem damit zu tun, dass die, die damals groß wurden, heute keine 30 mehr sind. Für Caspers ist das Revival biografisch und psychologisch bedingt: "Man lässt Dinge noch einmal Revue passieren, die man als Jugendlicher erlebt hat. Wenn die Welt komplexer wird, bekommen wir nostalgische Gefühle." Es wird also sicher auch bald Feten für das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends geben. Nur hört sich der Begriff Nuller-Party irgendwie doof an.

Verlosung

Ihr wollt bei der 90er-Party mit Captain Jack, Snap!, Fun Factory und Whigfield am 11. März in der Kasseler Stadthalle dabei sein? Dann schickt uns bis Freitag, 3. März, 14 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff "Party" an aktion@hna.de. Denn wir haben fünf mal zwei Eintrittskarten für euch. Bitte gebt in der E-Mail euren vollständigen Namen und eure Adresse an, damit wir euch die Karten per Post zuschicken können. Die fünf Gewinner werden unter allen Teilnehmern ausgelost und von uns per E-Mail benachrichtigt.

++ Update 7. März: Die fünf Gewinner wurden per E-Mail von uns benachrichtigt. ++

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