Album-Rezension

Früherer Oasis-Sänger Liam Gallagher veröffentlicht erstes Soloalbum

+
Schreit jetzt seine Gefühle heraus: Liam Gallagher trat mit Oasis vor 250 000 Leuten auf, jetzt wandelt er auf Solopfaden.

Sein erstes Soloalbum "As You Were" setzt auf Gitarren, aber weniger auf Rockhymnen wie einst die britische Band Oasis.

Wenn Liam Gallagher im Song „All I Need“ auf seinem ersten Soloalbum „As You Were“ fast poetisch davon singt, dass er seinen Winterschlaf genutzt hat, um seine gebrochenen Flügel zu reparieren, dann ist da etwas dran.

2009, hatte er kurz vor einem Auftritt in Paris eine Gitarre auf dem Kopf seines Bruders Noel zertrümmert - das Ende der britischen Kultband Oasis.

Sein Bruder baute sich eine Solokarriere und mit den High Flying Birds auch eine neue Band auf. Liam Gallagher versuchte mit den Beady Eyes Fuß zu fassen. Es hätte glücken können, wäre er in seiner Welt nicht noch immer der größte Rockstar. Einer, der sich in einem Atemzug mit The Who, den Sex Pistols und den Stones nennt. Einer, der mit Oasis vor 250 000 Zuschauern auftrat. Der es nicht aushielt, dass die Beady Eyes nicht so gut ankamen wie Oasis. Dafür fehlten der Band die Rock-Hymnen, die Noel Gallagher für Oasis schrieb - die vermisst man auch auf „As You Were“.

Drei Jahre zog sich Liam Gallagher nach dem Ende der Beady Eyes (2014) zurück. Hatte kaum öffentliche Auftritte, fluchte aber in sozialen Netzwerken wie Twitter wie ein Rohrspatz. Beschimpfte seinen älteren Bruder als Kartoffelkopf und jammerte zugleich Oasis hinterher.

Manch einer der Songs erinnert an Oasis

Die Zeit, die er nicht mit unfreundlichen Wortmeldungen verbrachte, nutzte er, um sich wieder aufzurichten und mit „As You Were“ ein Album abzuliefern, dass auf gekonntes Gitarrengeschrammel setzt.

Liam Gallaghers Stimme klingt nicht mehr so kräftig und rotzig wie zu Zeiten von „Definitely Maybe“ über „(What’s The Story) Morning Glory?“ bis zu „Dont’t Look Back In Anger“, aber singen kann er noch. Und: Manch einer der Songs erinnert an Oasis. Bei „For What It’s Worth“ lässt er besonders viele Gefühle zu, wie einst bei Oasis-Schmachthits wie „Stop Crying You Heart Out“.

In Interviews wird er nicht müde zu betonen, dass er viel lieber über eine neue Oasis-Platte sprechen würde, als über sein Soloalbum. Sein Bruder sei nicht bereit dafür. Der lebe in einer anderen Welt.

Richtig verübelt der einstige Rock-Rüpel, der mittlerweile 45 ist und zwei Kinder hat (seine Sohn heißt Lennon nach seinem Beatles-Vorbild John Lennon) ihm, dass er im Mai beim One-Love-Konzert nicht dabei war, um für die Manchester-Opfer zu singen - die Heimatstadt der Gallaghers.

Kräfte Gitarrenriffs auf der neuen Platte

Liam Gallagher war 19, als Oasis durchstarteten. Geprägt war die Bandgeschichte nicht nur von riesigen Erfolgen - mehr als 70 Millionen verkaufte Platten -, sondern auch vom Brüderzwist. Er sei ein Mann der klaren Worte, der für politisch unkorrekten Rock'n'Roll steht, sagt Liam Gallagher heute und klingt auf „As You Were“ doch deutlich braver als man ihn kennt.

Songs wie „Wall Of Glass“ und „Greedy Soul“ hämmern zwar und es gibt kräftige Riffs, Mitgröl-Hymnen wie „Wonderwall“ fehlen aber. Dafür zeigt er sich überraschend gefühlvoll, schreit sein Herz heraus, statt zu pöbeln. Letztlich fliegt er allein und mit reparierten Flügeln ganz gut.

Wertung:  Drei von fünf Sternen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.