Das Museum für moderne Kunst Frankfurt zeigt zum 20-jährigen Bestehen seine eigene Sammlung

Plötzlich diese Übersicht

Eine Ikone des Museums: Die „Tischgesellschaft“ von Katharina Fritsch - eines von 4500 Werken. Fotos:  MMK

Frankfurt. Eben noch erfolgreich mit ihrer Präsentation des Schlingensief-Pavillons in Venedig, macht Susanne Gaensheimer mit der nächsten Schau auf sich aufmerksam. Im Jubiläumsjahr 2011 präsentiert die umtriebige Leiterin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt eine große Überblicksausstellung der Sammlung, die im Haupthaus, in dem benachbarten MMK Zollamt und in einem Bürohochhaus am Main zu sehen ist.

Weltläufig gibt man sich im Stammhaus: In dem von Hans Hollein 1991 erbauten „Tortenstück“ an der Domstraße läuft eine sechsmonatige Präsentation mit den bekannten US-Künstlern, Roy Lichtensteins „Yellow and Green Brushstrokes“, Andy Warhols „Green Disaster“ oder Bill Violas „The Stopping Mind“. Aber auch deutsche Hauskünstler sind zu sehen wie Gerhard Richter und Barbara Klemm.

Auch wenn die Säle noch so elegant daherkommen, in den Werken manifestiert sich das Misstrauen der Künstler gegenüber Bürgerlichkeit und Ordnung, findet sich immer wieder der Verweis auf das, was hinter dem schönen Schein der Dinge lauert. Keine leicht konsumierbare Kunst sieht man hier, sondern eine, die mit deutlichem Kreischen auf zuweilen arg glatten Oberflächen schabt.

Abriss steht bevor

Bunt und schräg geht es weiter im Foyer des alten Degussa-Gebäudes am Main-Ufer, hier empfängt Michael Beutlers schräge grellgelbe Bastelarbeit „outdoor-yellow 13“ die Besucher. Bis zum Abriss des Hauses bespielt das MMK alle sieben Stockwerke des ausgeräumten Hochhauses. In einem neosachlichen Ambiente präsentiert es bedeutende Werke von Nam June Paik, Christian Boltanski oder Ai Weiwei, aber auch solche, die ob ihrer Kauzigkeit schon Kultcharakter haben wie die Küchenutensilien des Kunstbetrügers Andreas Slominski oder die charmanten „57 Pinguine“ des (Holz-)Bildhauers Stephan Balkenhol.

Die meisten Arbeiten werden in kleinen Räumen gezeigt und entfalten hier ein denkwürdiges Eigenleben. Mitten zwischen den umgekippten Stühlen des Rainer Ruthenbeck oder allein mit Martin Honerts „Junge am Küchentisch“ wird der Gang durch die verlassenen Büroräume zu einer lohnenden Entdeckungstour.

Das Raumkonzept für das Ausstellungsgebäude auf dem zukünftigen „MainTor-Areal“ ist in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Architekten Prof. Christoph Mäckler entstanden, und für einen besonderen Auftrag hat man den Städel-Professor Tobias Rehberger gewonnen. Der hat seine Arbeit „Montevideo, Mailand, New York, Moskau, Dubai, Singapur, São Paulo and Tokyo“ im Obergeschoss als temporäres Museumscafé aufgebaut.

Von der angrenzenden 600 Quadratmeter großen Dachterrasse bietet sich ein herrlicher Blick auf den Main und das gegenüberliegende Museumsufer - ein wunderbarer Platz zum Verweilen nach so viel geltungssüchtiger Kunst.

Bis 9. Oktober, Domstraße 10, www.mmk.de. Di - So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr (MainTor-Areal Mi erst ab 12 Uhr). Eintritt für alle Ausstellungsorte 12 / 6 Euro.

Von Gerd Döring

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