Daniela Rieß und Lisa Sommerfeld überraschten mit einer Lyrik-Performance im Kunsttempel

Plötzlich wird das Eis ganz dünn

Die Zuschauer schauten beim Gedichteschreiben zu: Daniela Rieß. Fotos:  Ammermüller

Kassel. Sprache und Musik sind zwei Gattungen, die sich seit Langem als hervorragendes Gespann bewährt haben. Und doch gibt es hin und wieder Überraschungen, welche dieser Verbindung eine eigene Dimension verleihen und sie auf ihre Art bereichern. Das konnten die Zuhörer am Donnerstagabend im Kunsttempel bei einer Veranstaltung des Literaturbüros Nordhessen erleben. Dort gaben die Autorin Daniela Rieß und die Jazz-Pianistin Lisa Sommerfeld eine eindrucksvolle Performance mit Lyrik und Musik, welche alle Erwartungen in den Schatten stellte.

Daniela Rieß trug überwiegend Werke aus ihrem Debüt „gegen Rotampeltage“ (2011) vor. Die Autorin vermag es, ihre Zuhörer zu umgarnen und mit ihrer leichten Vortragsweise weit hinaus zu locken: Plötzlich stellt man fest, dass man sich buchstäblich auf sehr dünnem Eis befindet.

Die Leichtigkeit, mit der die 1978 in Annaberg-Buchholz (Sachsen) geborene Künstlerin Worte aneinanderreiht und Metaphern weiterspinnt, täuscht über die Bedeutungsschwere der Aussage hinweg. Gekonnt leitet Rieß ihre Zuhörer aber wieder ans sichere Ufer und stellt sie mit einem Augenzwinkern ab.

Doch es ist nicht nur das gesprochene Wort, mit welchem die Literatin ihre Zuhörer verzaubert. Daniela Rieß verdeutlicht die Synthese zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort, indem sie mit einem Folienschreiber ein Gedicht aufschreibt und der Zuhörer über den Overheadprojektor gleichzeitig zum Zuschauer wird.

Was Rieß mit Worten vermag, schafft Lisa Sommerfeld, bekannt durch das Trio Jentzen Groh Sommerfeld, mit nur wenigen Akkorden am Piano. Die beiden jungen Künstlerinnen bilden ein Duo, welches sich einvernehmlich aus zwei unterschiedlichen Kunstgattungen zusammensetzt. Abgerundet wurde die Performance von Diaprojektionen im Hintergrund, die Bilder von Familienidyllen der 50er-Jahre zeigten. Ein Abend, der noch lange nachklingt und Lust auf mehr von diesem Duo macht.

Von Kirsten Ammermüller

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