Saxofonist der Superlative: James Carter beeindruckte im Kasseler Kulturzelt

Ploppen macht Spaß

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Der Saxofonist und seine „Kannen“: James Carter im Kasseler Kulturzelt.

Kassel. James Carter ist ein Mann der Superlative, an dem sich die Jazzfans scheiden. Für viele ist er einer der besten Saxofonisten der Gegenwart, ja ein „moderner Saxofon-Gott“. Andere stört sein Eklektizismus. So bekam er für sein jüngstes, vor zwei Jahren erschienenes Album „Present Tense“ neben Lob böse Kritik.

„Es ist der Brei aus großem Können und fehlender Vision, der nicht mundet und doch erstaunt.“

Ziemlich einhellig war dagegen das Urteil der 350 Zuhörer nach Carters Auftritt im Kasseler Kulturzelt. Standing Ovations gab es nach zwei Stunden hoch energetischem Jazz, worauf der bestens gelaunte Meister eine ausgedehnte Zugabe folgen ließ. Leise Zweifel konnten einen dennoch beschleichen. Denn bei Carter erstaunt unter anderem die Spannung zwischen Tradition und Avantgarde.

Diese unbekümmerte Ästhetik mag an der Biografie des 1969 in Detroit geborenen Musikers liegen. Bereits als Teenager hat er mit Wynton Marsalis gespielt, der Leitfigur der Neokonservativen, um nur kurz darauf mit dessen Antipoden Lester Bowie zusammenzuarbeiten.

Auch im Kasseler Konzert ging es mehrspurig zu. Vieles was Carters Band in der Struktur der Stücke, den Themen und Rhythmen bot, hätte auch schon vor mehreren Jahrzehnten gespielt werden können. Doch hinzu kamen die klanglichen Abenteuer des Bandleaders.

Mal quietschend, mal röhrend, mal ploppend perkussiv kamen Carters Bläserklänge daher. Ganz zu schweigen von den irrwitzig schnellen Tonfolgen, die der mit zwei Saxofonen und Flöte bewaffnete Artist in die Manege warf. Eine atemberaubende Technik fürwahr.

Außerdem hatten Carter und die formidable Band Corey Wilkes (Trompete), Gerard Gibbs (Klavier), Ralphe Armstrong (Kontrabass) und Leonard King (Schlagzeug) viel Spaß. Man lachte, alberte zwischendurch herzhaft herum.

Bei einer der wenigen Balladen ließ der mit mächtiger Pranke zulangende, die Stimmung des Flügels ins Wanken bringende Gerard Gibbs den rechten Arm auf die Klaviatur fallen, auch mal absichtsvoll daneben.

Auch wenn man Powerjazz und romantisch angehauchte Intellektualität nicht vergleichen sollte: Solche Scherze kann man sich von einem Pianisten wie Brad Mehldau einfach nicht vorstellen.

Von Georg Pepl

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