Emmi & Willnowsky schockten und begeisterten in der Kasseler Komödie

Pöbeln für die wahre Liebe

Wie Katz und Maus: Herr Willnowsky (Christian Willner, links) und Emmi (Christoph Dompke). Foto: Malmus

Kassel. Was haben Kammersängerin Emmi und Pianist Valentin Willnowsky eigentlich gemeinsam? Nix, außer dass sie miteinander verheiratet sind. Dass man aus diesem Zustand ein brachial-lustiges Bühnenstück entwickeln kann, bewiesen Christoph Dompke und Christian Willner bei ihrem Gastspiel in der gut besuchten Kasseler Komödie.

Irgendwo zwischen Commedy, Kabarett und Theater suchen und finden sie eine Nische für ihren absurden Humor. Dessen Schwerkraft drückt ihr Publikum vor Begeisterung in die Sessel.

Emmi ist groß, verzweifelt elegant und permanent auf der Suche nach Niveau. Allerdings pöbelt ihr Valentin permanent manch andere Sichtweise der Dinge zwischen die distinguierten Monologe, und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als Paroli zu stänkern. Sie übertreffen sich in ihrer gegenseitigen Geringschätzung („Emmi hat Zähne wie Sterne, die kommen nachts immer raus“), wünschen sich den Tod des anderen, beleidigen sich derbe und sexistisch, suchen Verbündete unter den Zuschauern. Mit dem 20-jährigen Lars in der ersten Reihe hat Emmi auch gleich jemanden für die Nacht im Hotel angebaggert. Das wiederum erzürnt Valentin: „Der nimmt doch die Pille für danach. Die ändert nämlich seine Blutgruppe.“

Mit russischem Akzent wurde manche Schote unter der Gürtellinie platziert, doch alles wirkte mehr Meta als Gaga. Fast wie ein Theaterstück über die Comedykultur.

Herrliche Interpretationen von Neue-Deutsche-Welle-Hymnen und Popsongs veredelten eine schauspielerische Leistung, die weit über Standard grandioses Entertainment bot. Und der Clou: Trotz Zynismus, Spott und Häme hatten sich da zwei richtig lieb.

Von Andreas Köthe

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