Holocaust-Gedenkkonzert: Musik der spanischen Juden in der Lutherkirche

Die Poesie der Diaspora

Sanft: Reinhild Waldek (Harfe), Tenor Cesar Carazo Jalon. Foto: Socher

Kassel. Sephardische Romanzen wurden bei einem Konzert aus Anlass des Holocaust-Gedenktags am Mittwochabend in der Lutherkirche gespielt. Zu Gast war das 1992 von Thomas Wimmer gegründete Ensemble Accentus Austria. Der österreichische Gambist war vom einzigartigen multikulturellen Nährboden Spaniens fasziniert: Etwa 50 000 Juden aus Afrika und Asien, später als Sephardim bezeichnet, strömten im Jahr 711 ins Gebiet des heutigen Spanien. Sie wurden zunächst als „dhimmi“ (Andersgläubige) respektiert, aber durch königliches Edikt 1492 des Landes verwiesen.

Das Programm fokussierte auf das poetisch-musikalische Repertoire der sephardischen Diaspora, wie sie sich nach dem Exodus aus der Iberischen Halbinsel etablierte. Die Musik wird von drei Grundtypen dominiert. Die „Romance“, die das mittelalterliche, spanische Erbe reflektiert, die „Coplas“, die Themen der Tradition oder der biblischen Geschichte wiedergeben und den „Cancionero“-Gesängen der Ostsephardim.

Die sanften, überwiegend schwermütigen Lieder, die das an diesem Abend fünfköpfige Ensemble mit spanischer Harfe (Reinhild Waldek), Fidel (Thomas Wimmer), Schilf- und Blockflöte (Michael Posch), Percussion (Wolfgang Reithofer) und Tenorstimme (Cesar Carazo Jalon) mit viel Einfühlungsvermögen und hoher Musikalität erklingen ließ, erzählen von der Geburt Abrahams, von Liebesleid und -werben und von Sklavenschicksalen. Viel Applaus vom berührten Publikum.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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