Der griechische Filmregisseur Theo Angelopoulos starb mit 76

Poesie in großen Bildern

Theo Angelopoulos

In seinem bekanntesten Film „Die Ewigkeit und ein Tag“ findet der griechische Regisseur Theo Angelopoulos wundervolle Bilder für das Gefühl innerer Einsamkeit und Heimatlosigkeit. Sein Protagonist Alexander (gespielt von Bruno Ganz) bleibt etwa in seinem alten Auto an einer Ampel stehen und verharrt dort die ganze Nacht, während die Lichtzeichen abwechselnd auf Grün und Rot schalten.

Er klinkt sich aus dem Rhythmus des Lebens aus, schlüpft kurz hinüber in die Ewigkeit des Titels. Dieser Alexander wandelt im Nebel, der durch den Film wabert, vergewissert sich mit mehreren Besuchen seiner Vergangenheit und nimmt davon Abschied. Die Regungslosigkeit der Ewigkeit in die bewegten Bilder eines Films hineinzubekommen, die Suche nach innerer Heimat, nach Frieden, nach dem Selbst: Das sind die Themen gewesen, die Angelopoulos umtrieben und die für ihn überdies stets das Private und das Politische verbanden. Dabei lud er die Bilder mit großer (für manche Kritiker auch etwas zu überbordender) Poesie auf - etwa eine nächtliche Busfahrt im Neonlicht. Für „Die Ewigkeit und ein Tag“ bekam er 1998 die Goldene Palme in Cannes.

Am Dienstag ist der Regisseur 76-jährig bei einem Verkehrsunfall gestorben. Er wurde in Piräus von einem Motorrad erfasst und fiel in einen tiefen Schacht. Im Krankenhaus starb er an den Verletzungen. Er war beim Dreh seines Films „Das andere Meer“.

Der „Blick Griechenlands“ wurde Theo Angelopoulos genannt, weil er die Befindlichkeiten des Volkes einfing und auf den Punkt brachte. Angelopoulos wurde 1935 in Athen als Sohn eines Parfümeriebesitzers geboren - wenige Jahre vor dem Einmarsch deutscher Truppen in Griechenland 1941. Er studierte Jura, machte aber kein Examen, sondern zog nach Paris, wo er schließlich die Filmhochschule besuchte. Parallel schrieb er Gedichte und Geschichten. 1964 kehrte er in sein Heimatland zurück, arbeitete als Filmkritiker und schaffte 1968 sein Debüt mit „I Ekpombi“ (Die Übermittlung). Angelopoulos hat mit seiner Frau Phoebe Economopoulou drei Töchter.

Zu seinen Filmerfolgen gehören „Die Wanderschauspieler“ (1975), „Die Reise nach Kythera“ (1984), „Landschaft im Nebel“ (1988) und „Die Reise des Odysseus“ (1995). Er arbeitete mit Stars wie Marcello Mastroianni, Willem Dafoe und Harvey Keitel. Angelopoulos beschäftigte sich filmisch mit Griechenland, mit kollektiver und individueller Geschichtserfahrung, etwa Bürgerkrieg oder Migration.

Viele Werke sind international preisgekrönt worden, obwohl er einmal gesagt hat, er mache die Filme nicht fürs Publikum, sondern für sich selbst.

Von Bettina Fraschke

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