Vienna Teng am Samstag mit Piano-Pop im Kulturzelt

Poetisch wie das Leben

Verzauberte ihre Zuhörer: Vienna Teng. Foto:  Malmus

Kassel. Manche Künstler brauchen einen ganzen Konzertabend, um eine Beziehung zum Publikum herzustellen. Vienna Teng reichen wenige Sekunden.

Sie betritt die Bühne im fast ausverkauften Kulturzelt, lächelt und sagt auf Deutsch: „Oh, das ist aber ein großes Zelt.“ Damit sind ihre Deutsch-Kenntnisse zwar nahezu erschöpft. Aber die Herzen der Kasseler hat sie damit schon erobert.

Den musikalischen Stil von Vienna Teng kann man wohl am besten mit Singer-Songwriter-Piano-Pop beschreiben. Denn die US-Amerikanerin mit asiatischen Wurzeln schreibt ihre Lieder selbst. In ihren poetischen Texten verarbeitet sie alles, was ihr in ihrem Leben begegnet: interessante Menschen, Tagträume, ihren Alltag. So beschreibt sie im Country-Song „Homecoming“ das Leben eines Truckers. Immer unterwegs, die Sehnsucht nach dem Zuhause stets im Gepäck.

Humorvoll ist „One Bedroom, One Bath“. Ein Song, der entstanden ist, als Teng in einem sehr belebten Haus wohnte. „Meine Nachbarn von oben machen Geräusche, die ich nicht hören will“, heißt es da. Stampfen, Rascheln, Möbelrücken.

Aber auch die leisen Momente liegen der Amerikanerin. Wenn sie mit ihrer mädchenhaften, zarten Stimme singt, scheint jede Silbe eine tiefe Bedeutung zu haben.

Begleitet wird Vienna Teng von zwei hervorragenden Musikern. Alex Wong spielt Percussions, Glockenspiel und Gitarre, Ward Williams Cello und E-Gitarre. „Sie sind Gentlemen, deshalb machen sie die meiste Arbeit“, scherzt die Sängerin.

Im Mittelpunkt steht jedoch trotz der komplexen Arrangements immer das Piano, das Vienna Teng mit Hingabe spielt. Wenn sie in die Tasten greift, klingt das spielerisch und leicht. Rhythmuswechsel geben den Liedern eine besondere Dynamik.

Vienna Teng versteht es, das Publikum immer wieder einzubeziehen. Die Kasseler klappern bereitwillig mit ihren Haustürschlüsseln und ahmen Geräusche des Windes nach. Dieses Konzert wird zu einem echten Gemeinschaftserlebnis. „Warum kann es nicht überall so sein wie in Kassel?“, fragt Alex Wong am Ende des 100-minütigen Gastspiels.

Und die Zuhörer denken sich: Warum kann nicht jeder Abend so bezaubernd sein wie der mit Vienna Teng?

Von Pamela De Filippo

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