„Käppkkra“ von Anna Peschke im tif

Poetische Geräusche

Kassel. Wie hört sich das Abreißen eines Kalenderblatts an? Wie das Klickern von Murmeln, die aus einem Glas geschüttet werden? Anna Peschke zoomt unsere Aufmerksamkeit auf das Leise, Kleine, Zarte. In ihrer 45-minütigen Performance „Käppkkra“, die bei den Hessischen Theatertagen am Donnerstag im tif gezeigt wurde, kommt sie ohne Worte aus und gestaltet ein bewegendes Theatererlebnis.

Die etwa 50 begeistert applaudierenden Zuschauer sitzen u-förmig um Peschkes Spiel-Raum, der allein ein magischer Ort ist. Eine Wäscheleine voller Schlüssel klimpert bei leisen Bewegungen, ein altmodischer Aktenschrank ist gefüllt mit bunt frankierten Luftpostbriefen, einer winzigen Lottokugeldrehmaschine, einem Hütchen aus aufgeklebten Schneckengehäusen.

Anna Peschke nimmt die leisen Geräusche live auf, lässt sie per Endlosschleife abspielen und arbeitet sich dazu durch ihre Requisiten. Öffnet den Koffer, gurtet sich mit einem Eibenzweig, verbirgt sich unter knisteriger Malerplane.

Ob die Performance sich nun mit dem Thema Angst auseinandersetzt, wie das Programmheft sagt, oder nicht, ist unwichtig. Die Diplomarbeit der Uni Gießen, die vom Frankfurter Mousonturm präsentiert wurde, öffnet einen weiten poetischen Raum, der die Besucher mit einer Intensität anzieht, dass sie sich sehr schnell selbst darin verlieren können. Und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Von Bettina Fraschke

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