Poetischer Rapper mit Tiefgang: Sierra Kidd im Kasseler Musiktheater

Kommuniziert intensiv mit dem Publikum: Rapper Sierra Kidd im Musiktheater. Foto: Fischer

Kassel. Manuel Jungclaussen ist ein Phänomen. Mit 17 Jahren veröffentlichte er unter dem Künstlernamen Sierra Kidd den Tonträger „Kopfvilla“ und hatte damit Erfolg. Sein Debütalbum „Nirgendwer!“ schaffte es sogar auf Platz 6 der Charts.

Sierra Kidds Texte, die vor Poesie nur so strotzen, fanden viel Anklang. Sogar so viel, dass es in sozialen Netzwerken Gruppen gibt, die sich seinen Texten widmen.

Anfänglich noch anonym, veröffentlichte die Sendung „RTL 2 News“ Anfang diesen Jahres seine Identität. Am Donnerstagabend zeigte Sierra Kidd sein Gesicht im Kasseler Musiktheater.

Die gut 200 Fans begrüßten den mittlerweile volljährigen Emdener Rapper mit tosendem Applaus. Auch für den Rest des Abends hatte er sie voll im Griff. In der Mitte des Konzerts instruierte er sein Publikum, die Smartphones herauszunehmen und mit dem Kamerablitz Licht zu machen. Da fiel mir der wehmütige Griff zum guten alten Feuerzeug nicht schwer.

Jungclaussens Texte sind für sein Alter ungewöhnlich. Tiefgründig, metaphorisch und fantasievoll, oft abgeklärt. Seine Inspiration bezieht er aus seiner Schulzeit, in der er nach eigenen Angaben gemobbt wurde. Das kommt vor allem bei Gleichaltrigen an. Raptechnisch grundsolide, beschleunigte er seinen Sprechgesang an manchen Stellen auf Double-Time. Nur Töne halten, das konnte er nicht. In der ersten Hälfte war er auch schwer zu verstehen, da er im Gesamtmix unterging. Was nicht allzu tragisch war, denn die Liveband spielte wunderbar schönen, sphärischen, melancholischen Rock. Erinnert das an jemanden?

Das Konzept, so persönlich es ist, muss sich in seinen Motiven und der Musik mit Genregrößen wie Casper, Prinz Pi oder Chakuza messen lassen. Und sich auch gefallen lassen, dass es weiß Gott nichts Besonderes mehr ist.

Von Chris Wagner

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