Poetry-Slammer und Youtube-Star Patrick Salmen sorgte im Schlachthof für Stimmung

Mit Bart, aber herzlich: Poetry-Slammer Patrick Salmen vor seiner Lesung im Kulturzentrum Schlachthof. Foto: Ditzel

Kassel. Beim Literaturpreis für die besten Buchtitel, der seit einigen Jahren vergeben wird, müsste eigentlich immer Patrick Salmen gewinnen. Der Poetry-Slammer aus Dortmund veröffentlicht Kurzgeschichtenbände, die „Aufgeben ist keine Lösung: Außer bei Paketen“ heißen. Oder: „Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig“. Und: „Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute“.

Auch darüber haben die 100 Menschen, die tatsächlich wie Leute aussahen, am Dienstag bei Salmens ausverkaufter Lesung im Kasseler Schlachthof laut gelacht. Im Kulturzentrum gestand der 30-Jährige, dass er sich den Paket-Titel gern in chinesischen Schriftzeichen in den Nacken tätowieren lassen würde.

Das sieht bestimmt gut aus. Doch nicht nur Salmens Buchtitel sind gut, sondern auch seine Geschichten. 2010 wurde der damalige Lehramtsstudent, der aus Wuppertal stammt, deutscher Poetry-Slam-Meister. Heute lebt er allein vom Schreiben und Vorlesen. Mitschnitte seiner Auftritte haben bei Youtube mehr als zwei Millionen Klicks.

Auch in Kassel hätte Salmen locker einen doppelt so großen Saal füllen können. Seine Texte handeln meist von Alltagsbeobachtungen – etwa vom Bahnfahren, bei dem sich der Autor wie ein Ornithologe fühlt: „Wohin man schaut, überall nur Vögel.“ Wenn er die „Tchiboisierung des Abendlandes“ beschreibt, durch das Familienväter in lauter Produkten aus dem Kaffeeröster-Katalog schreiten, klingt Salmen wie ein Max Goldt des Internet-Zeitalters.

Zugleich ist sich der Mann mit der Raucherstimme auch nicht zu schade für plumpe Wortspiele, die ja meist die lustigsten sind. Als Lyriker dichtet er: „Würde ich auf Kochplatten tanzen, wäre ich der glücklichste Mensch auf Herden.“ Und einmal heißt es: „Deine Zähne sind wie Bochum und Duisburg, da ist noch Essen dazwischen.“

Seine Pointen möchte man sich zwar nicht unbedingt unter die Haut stechen lassen, aber doch sofort aufschreiben. Aus seiner Typologie der Teebeutelnutzer könnte er vielleicht sogar ein ganzes Buch mit einem noch lustigeren Titel machen. Da gibt es etwa den Typ, der den Beutel um den Löffel wickelt und auspresst. Laut Salmen ist das entweder ein sparsamer Schwabe oder ein „Fifty Shades of Grey“-Leser, der auf Fesselspiele steht.

Von Matthias Lohr

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