Die Backstreet Boys wollen keine Boygroup mehr sein – und klingen belanglos wie nie

Poliertes Pop-Einerlei

Von Jungs zu Männern (von links) : Brian Littrell, Nick Carter, Howie Dorough und AJ McLean wollen mit ihrem siebten Album an alte Erfolge aus den 90er-Jahren anknüpfen. Foto:  Sony

Vor zehn Jahren hätten die Backstreet Boys eine Menge Lügen erzählen müssen. Brian Littrell hätte seine Frau und seine Tochter verschwiegen, AJ Mc Lean seine Drogenprobleme, und Nick Carter die Affäre mit dem Hollywoodluder Paris Hilton.

All das hätten die Fans einer Boygroup nicht hören wollen. Doch im Herbst 2009 wollen die Backstreet Boys nicht mehr lügen - und sie wollen keine skandalfreie Boygroup mehr sein, die auf bedingungslose Liebe heranwachsender Mädchen angewiesen ist.

Deshalb heißt ihr neues, siebtes Album „This is Us“, das sind wir. Vier gereifte Herren, die in den letzten Jahren ab und zu vom Pfad der Tugend abgekommen sind. Und die nun nach dem Ausstieg von Kevin Richardson zu viert Musik machen.

Die ehemaligen Teenie-Idole, die nun alle um die 30 sind, haben eine Menge erlebt – und den gewachsenen Erfahrungsschatz hört man den betont männlichen Songtexten an. Da sind immer noch die ewigen Themen, die Liebe und das schönste Mädchen von allen, aber der Grundton ist weniger wolkig als auf den klebrig süßen Balladen „I’ll Never Break Your Heart“ oder „As Long As You Love Me“.

Im ersten Stück des neuen Albums, „Straight Through My Heart“, ist die Liebste eine Amazone, die mit Waffen hantiert. Auf „Bye Bye Love“ blicken die Herren mit Häme statt mit elegischer Trauer auf die Verflossene. Und in „PDA“ machen sie sich über die Roten-Teppich-Mädchen lustig, die alles tun, um mit ihnen gesehen zu werden.

Musikalisch wollten die Pophelden der 90-er dagegen keine Experimente wagen und haben sich ihr Album von den zuverlässigsten Hitlieferanten der Musikbranche produzieren lassen. Der Elektroguru RedOne hat bereits Lady Gaga glitzernden Discopop auf ihren spärlich verhüllten Leib geschneidert, und Max Martin ist für die größten Britney-Spears-Hits verantwortlich.

Das Ergebnis des Musikgigantengipfels ist kaufhaustaugliche, makellose Popmusik mit dosierten R’n’B Elementen und dem gelegentlich wabernden Synthesizer. Das Problem dabei ist, dass sie klingt wie all die anderen makellosen Pop-Produktionen, die sich zurzeit explosionsartig zu vermehren scheinen. Die harmlose Midtemponummer „Bigger“ hätte gut zu Kelly Clarkson gepasst, und die stumpfen Beats auf „Bye Bye Love“ sind wohl vom letzten Album des R’n’B-Weichspülers Chris Brown übrig geblieben.

Lediglich die treibende Uptemponummer „Masquerade“ lässt erahnen, warum die Band mal 100 Millionen Alben verkauft hat und die alten Hits auf jeder Party funktionieren: Tanzbaren Boygroup-Sound können sie wie niemand sonst, doch ihre Paradedisziplin haben sie zugunsten von Hochglanzeinerlei aufgegeben. Fast hört es sich an, als hätten die Backstreet Boys Erwachsensein mit Belanglosigkeit verwechselt.

Backstreet Boys: This is Us, (Sony Music). Wertung: !!:::

Von Saskia Trebing

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