Düsseldorfer Schau für documenta-Künstler Anatol zum 80. Geburtstag

Polizeidienst ist Kunst

Schüler und Lehrer: Anatol zeigt in seinem Atelier auf der Museumsinsel Hombroich in Neuss ein Foto von Joseph Beuys. Foto: dpa

Er ist ein Musterschüler. Anatol, der eigentlich Karl-Heinz Herzfeld heißt, hat an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys studiert und dessen erweiterten Kunstbegriff konsequent fortentwickelt.

Jede menschliche Tätigkeit könne als Kunst begriffen werden, sofern Menschen für ihre Schöpfungen und Entscheidungen Verantwortung übernehmen, so hatte Beuys die Zusammenführung von Kunst und Leben postuliert. Anatol begriff „Arbeitszeit“ als Verschmelzung von Kunst und Arbeit. Für ihn war selbst der Polizeidienst Kunst.

Denn bis zu seiner Pensionierung 1991 war er als Polizeibeamter in Düsseldorf tätig - zunächst im Verkehrsdienst, später als Verkehrsschutzmann mit einem Puppenspiel für Kinder. Generationen von Düsseldorfern kennen Anatol als Polizisten, der ihnen das richtige Verhalten im Straßenverkehr beibrachte. Sein Studium hatte er nebenher betrieben. So ist es folgerichtig, dass er zu seinem 80. Geburtstag am 21. Januar mit einer Ausstellung im Polizeipräsidium Düsseldorf gewürdigt wird.

Wo, wenn nicht in der Beuys-Stadt Düsseldorf, wäre der angemessene Platz für eine solche Ausstellung? Anatol war derjenige, der nach dessen fristloser Entlassung als Hochschullehrer das „Heimholen des Joseph Beuys“ inszenierte. Mit einem selbst gebauten Einbaum ruderte er den Meister 1973 vom einen zum anderen Rheinufer. Analog zu Beuys’ Freier Internationaler Universität gründete Anatol, der zeitweilig selbst einen Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf innehatte, die „Freie Akademie Oldenburg“, die jedoch nichts war als die Vorstellung einer freien künstlerischen Tätigkeit: Es gab weder feste Strukturen noch Gebäude oder Verwaltung.

„Traumschiff“

Aber auch documenta-Geschichte hat Anatol geschrieben, 1972, 1977 und 1982. Und das auch auf dem Wasser. 1977 hat er ein wie ein Papierboot anmutendes „Traumschiff“ in sechs Tagen von Dangast aus mit einem Frachter auf Weser und Fulda nach Kassel ziehen lassen - wobei es am dritten Tag mit einem Poller kollidierte und repariert werden musste. Doch rechtzeitig zur Eröffnung der documenta 6 und für 100 Tage stand das „Tante Olga“ genannte Boot vor der Orangerie, später fand es seinen Platz vor der Heinrich-Schütz-Schule.

1992 stand während der documenta eine (nicht zur Ausstellung zählende) Stahlskulptur als „Wachstation des Denkens gegen illegale Gewalt“ vor der Kurfürstengalerie. Sie wurde später auf einen Platz vor dem Regierungspräsidium umgehoben.

Anatol, der gebürtige Ostpreuße, der in einer christlich geprägten Pflegefamilie aufwuchs, arbeitet - bevorzugt mit Holz, Stein und Stahl - auf der Museumsinsel Hombroich in Neuss. In der weitläufigen Auen- und Parklandschaft hat er Platz für seine monumentaler Arbeiten und eine Wirkungsstätte gefunden, die bleiben soll: Sein Atelier wird, so ist es testamentarisch verfügt, nach seinem Tod unverändert bleiben.

Anatol Herzfeld - Künstler und Schutzmann. Bis 28. Februar, Polizeipräsidium Düsseldorf, Jürgensplatz 5-7, Tel. 0211/8702030.

Von Mark-Christian von Busse

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