Kritik zum ARD-Krimi

"Polizeiruf 110" im Ersten: Tolles Thema, zu unübersichtliche Handlung

Als Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff: Verena Altenberger.
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Als Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff: Verena Altenberger.

Regisseur Dominik Graf beschert Krimi-Fans regelmäßig Spitzenunterhaltung. Auch im neuen "Polizeiruf 110 - Die Lüge, die wir Zukunft nennen" gelingt das - mit einer Einschränkung. 

Ein Starregisseur, der gerade auch Zuschauern des Münchner „Polizeiruf 110“ viele großartige Krimistunden beschert hat: Man freut sich jedes Mal darauf, wenn Dominik Graf („Frau Bu lacht“, „Die Sieger“, „Im Angesicht des Verbrechens“) wieder einen ARD-Sonntagskrimi inszeniert. So auch bei „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“. Aber: Er machte es den Zuschauern diesmal schwer.

Das Thema war lohnend. Die Folge erzählte von Polizisten, die im Kollegenkreis moralisch auf die schiefe Bahn gerieten – und an der Stelle, wo sie gegen kriminelle Machenschaften einer Firma ermitteln sollten, selbst kriminell wurden. Weil sie auf ihren Überwachungskameras genau verfolgen konnten, wie einfach es ging.

Problematisch in der von Günter Schütter geschriebenen Folge war aber, wie unübersichtlich die Story präsentiert wurde. In einer Tour gab es Wechsel der Erzählebenen. Mal begleiteten die Zuschauer ein Kostümfest, mal wurde Teamchefin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) verhört und geriet selbst unter Beschuss. Durch diese Schachtelstruktur war es schwierig, die Figuren und ihre Beziehungsgeflechte richtig kennenzulernen.

Großartig war aber die Bildgestaltung von Martin Farkas, der mit Doppelungen und Spiegeleffekten zwischen den überbelichtet wirkenden Bildern aus den Überwachungskameras und den Szenen bei den Polizisten die Parallelität der menschlichen Gier visuell eindrucksvoll herausarbeitete.

Die letzte Folge des „Polizeiruf 110“ aus Rostock vor der Sommerpause hat es in sich: Diese Folge wird die Zuschauer verstören.

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