Letzter "Polizeiruf 110" vor der Sommerpause: Von Nazibauern und Rechtspopulisten

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Mord im Moor: Die Kommissare König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow (Charly Hübner) ahnen bereits nichts Gutes.

Der "Polizeiruf 110: In Flammen" ist bereits der dritte Sonntagskrimi innerhalb eines Monats, der sich mit dem Thema Rechtsextremismus auseinandersetzt. Die Vorschau:

Wir sind das Volk!“, ruft Silvia Schulte, aussichtsreichste Kandidatin für das Amt der Rostocker Oberbürgermeisterin, in die Menge und Sprechchöre antworten ihr. Kommt einem bekannt vor.

Nicht nur, dass der „Polizeiruf 110: In Flammen“ (20.15 Uhr in der ARD) bereits der dritte Sonntagskrimi innerhalb eines Monats ist, der sich mit dem Thema Rechtsextremismus auseinandersetzt: Erst machten völkische Siedler („Sonnenwende“), dann Reichsbürger („Freies Land“) und nun wieder Biobauernhofnazis und Rechtspopulisten das Land unsicher. Nein, auch das Szenario, dass Regisseur Lars-Gunnar Lotz im letzten Sonntagskrimi vor der Sommerpause entwirft, weist starke Querbezüge zur aktuellen politischen Lage auf.

Da ist die charismatische Schulte (Katrin Bühring), optisch und rhetorisch Alice Weidel nachempfunden, von der Partei für Sicherheit und Freiheit (PSF), AfD lässt grüßen, sowie ihr Parteikollege Roland Herlau (Michael Wittenborn), der nicht nur vom Nachnamen her an Alexander Gauland erinnert. Auch er scheint so seine Probleme mit der deutschen Erinnerungskultur zu haben. „Angst ist ihr Benzin“, wirft ihm LKA-Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) in einer Szene treffend an den Kopf.

Doch dann wird Schulte ermordet aufgefunden. Der Mörder hat sie bei lebendigem Leib verbrannt. Ein Hassverbrechen, wie König feststellt. Doch wer hat ein so starkes Motiv? Der politische Konkurrent Herlau? Schultes Ex, ein Nazibauer, der die Trennung nicht überwunden hat? Oder Schultes Referent, der syrische Flüchtling Karim, mit dem sie mehr als nur eine Arbeitsbeziehung führte?

Nicht nur die hochbrisanten Ermittlungen in der rechten Szene nehmen das Rostocker Ermittlerduo Alexander Bukow (Charly Hübner) und König in Anspruch. Auf persönlicher Ebene knirscht es ebenfalls gewaltig zwischen den beiden. Nicht sehr subtil wird hier an den Polizeiruf „Angst heiligt die Mittel“ von 2017 angeknüpft: Chef Henning Röder fasst in einer Standpauke zusammen, dass König ihren damaligen Fast-Vergewaltiger halb tot geschlagen hat, Bukow daraufhin für sie gelogen, aber König trotzdem gestanden hat, weshalb jetzt beide ein Disziplinarverfahren an der Backe haben, das sie ihren Job kosten könnte. Weitaus subtiler ist da die Art, wie Bukow König seine Gefühle spüren lässt, etwa wenn er einen Verdächtigen zur Aussage überreden will oder beide lautstark über die Menschen im „braunen Bullerbü“ streiten.

Überhaupt wird in „In Flammen“ viel diskutiert, was aber der Spannung dank der düsteren Bilder und starken Dialoge keinen Abbruch tut. Nur die Auflösung des Falls durch einen „Mörder ex machina“ kommt etwas lieblos daher.

Unsere Kritik lesen Sie am Sonntagabend auf www.hna.de/kultur.

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