Charly Hübner: „Ausstieg ist keine Option“

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Charly Hübner

Im Interview äußert sich Charly Hübner, der den Kommissar Alexander Bukow spielt, zur Rostock-Magdeburger-„Polizeiruf 110"-Doppelfolge, deren erster Teil am, Sonntag, 20.15 Uhr, im Ersten läuft.

In Magdeburg stirbt bei einem Brandanschlag die Frau eines Juniorchefs, in Warnemünde wird ein Wirtschaftsprüfer ermordet. Ihn hatte die Frau vor ihrem Tod angerufen. Die Fälle hängen zusammen, „Polizeiruf 110“-Teams ermitteln erstmals sender- und länderübergreifend – im Zweiteiler „Wendemanöver“ diesen und nächsten Sonntag. Regie führte Eoin Moore. Wir sprachen mit Charly Hübner, der den Rostocker Kommissar Alexander Bukow spielt.

Die Doppelfolge ist der Krimi zum 25. Einheitsjubiläum. Es ist viel von Ossis und Wessis die Rede. Nach 25 Jahren: Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Charly Hübner: Mein Eindruck ist, dass mir „Ossi-Wessi“ genauso häufig begegnet wie „Schwabe-Hamburger“. Jeder entscheidet doch für sich, was ihm fremd bleiben soll und was ihn interessiert.

Ein „Polizeiruf 110“ mit Doppelfolgen und Cliffhanger von einem Sonntag zum nächsten - wird das funktionieren?

Hübner: Warum nicht?

In Teil eins sind Sie suspendiert und auf eigene Rechnung unterwegs - haben Sie überhaupt mit den Magdeburgern gedreht?

Hübner: Ja. Aber nicht so viele Tage wie Anneke Kim Sarnau.

Eine Stärke des Rostocker „Polizeirufs“ ist, wie das Verhältnis zwischen Bukow und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) in der Schwebe gehalten wird. Was macht für Sie das Zusammenspiel mit Ihrer Kollegin aus?

Hübner: Spontaneität, Wachheit und absolutes Vertrauen im Finden einer Szene und Bereitschaft zur total offenen Improvisation. Das ist das Spielen mit Anneke.

Verlangt die Dramaturgie nicht, dass diese Beziehung irgendwann geklärt wird?

Hübner: Versuchen, immer wieder neu zu „klären“, das bleibt der Weg. Wie im Leben! Gibt ja kein Patentleben und auch kein Patentfernsehen.

Bukow wird überzeugend als Mecklenburger gezeichnet. Wie viel Hübner steckt in Bukow?

Hübner: Das ist eine Frage für Eoin Moore oder Anneke Kim Sarnau. Ich weiß doch nicht, wer ich bin.

Als Zuschauer erträgt man kaum, wie sich Bukow selbst ins Aus schießt. Leiden Sie darunter, dass er - auch in der aktuellen Folge - alles aufs Spiel setzt?

Hübner: Es ist ja sein Naturell, dem zu folgen, was die Intuition verlangt – ob das jetzt ins „Aus“ ist, wie im Moment, oder ins „Rein“, wie in früheren Fällen. Und nein - ich leide nicht darunter.

Ob Bukow die Kurve kriegt, dürfen Sie nicht verraten - würden Sie es ihm denn wünschen? Oder bereiten Sie Ihren Ausstieg vor?

Hübner: Welche Kurve meinen Sie? Die hin zum mittelschichtigen Bürger, der dem traut, was alle leben? Nein - die wird er niemals kriegen, weil er das nicht ist und auch nicht hinkriegen würde. Er bleibt der suchende Hafenköter. Und Ausstieg ist absolut keine Option!

Sie haben in jüngster Zeit viele große und prägende Rollen in Spielfilmen gespielt. Eigentlich sind Sie ja ein ganz renommierter Theaterdarsteller. Steht das Fernsehen für Sie inzwischen an erster Stelle? Und wenn ja, warum?

Hübner: Ich habe diese Lieblinglisten nicht.

Sie äußern sich dezidiert zur Sparpolitik in Mecklenburg-Vorpommern - was etwa Theaterschließungen angeht. Warum melden Sie sich zu Wort?

Hübner: Weil es hier strukturell Veränderungen geben soll, die praktisch einen solchen Verschleiß mit sich bringen werden, dass am Ende die Qualität und die Gesundheit der Theaterschaffenden leiden werden und es im Folgenden Gründe geben wird, die schlecht besuchten, weil qualitativ schlechten Theater Haus für Haus zu schließen. Wo keine Nachfrage, braucht’s auch kein Angebot! Nur: Theater, Musik und Kunst sind ethische Werte, Lebenskultur schöpfende Werte, keine Mehrwert schöpfenden Werte. Politiker, die bereit sind, Theater zu schließen, machen sich einer Entkultivierung ihrer Wähler strafbar - für alle nachfolgenden Zeiten.

In der Flüchtlingsdebatte beziehen viele Ihrer Kollegen Stellung - Sie auch?

Hübner: Die Flüchtlingssituation ist für mich im Moment keine Debatte, sondern hier muss einfach nur geholfen werden. Orte und Gelegenheiten gibt es überall.

Zur Person

Charly Hübner (42, geboren in Neustrelitz) studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und spielt an bedeutenden Theatern wie der Schaubühne Berlin und dem Hamburger Schauspielhaus. Seit 2003 ist er in Film und Fernsehen zu sehen - von „Das Leben der Anderen“ über „Ladykracher“ bis zu „Transporter“. Zuletzt: „Bornholmer Straße“, „Anderst schön“. Seit 2010 ermittelt er neben Anneke Kim Sarnau im Rostocker „Polizeiruf 110“. Hübner ist mit Schauspielerin Lina Beckmann verheiratet und lebt in Hamburg und in seiner mecklenburgischen Heimat.

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