Polizeiruf-Kritik: Ein Gewitter aus Schuld

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Szene aus dem Münchner Polizeiruf "Und vergib uns unsere Schuld": Baumann (Karl Markovics, rechts) will Meuffels (Matthias Brandt) von seiner Schuld Ÿberzeugen.

Ein Mörder ermittelt, und der Kommissar muss sich seiner Schuld stellen. Marco Kreuzpaintner hat einen kinoreifen Münchner "Polizeiruf" gedreht - mit einem wie immer großartigen Matthias Brandt, findet unser Kritiker Matthias Lohr.

Im Interview mit unserer Zeitung hat Regisseur Marco Kreuzpaintner eine interessante These aufgestellt: „Wäre Matthias Brandt in England aufgewachsen, wäre er längst ein Weltstar wie Colin Firth.“ In Kreuzpaintners grandioser „Polizeiruf 110“-Folge „Und vergib uns unsere Schuld“ konnte man noch einmal sehen, warum der Darsteller des Münchner Kommissars Hans von Meuffels einer der besten deutschen Schauspieler ist.

Man litt mit seinem stillen Ermittler, der sich mit jeder Minute mehr seiner Schuld stellen musste. Man litt aber auch mit jeder anderen Figur in diesem Drama, das nur Verlierer kannte. Geschickt drehten die Autoren Matthias Pacht und Alex Buresch den üblichen Krimi-Plot um. Der ebenfalls tolle Karl Markovics („Die Fälscher“) spielte den Mann, der sich zehn Jahre nach einem Mord seiner Schuld stellt, was zunächst niemand hören will. „Wer gibt mir die Strafe, die ich verdiene?“, fragt er von Meuffels, und der antwortet: „Vielleicht ist es ihre Strafe, frei zu sein.“

In eingestreuten Rückblenden baute Kreuzpaintner eine ungeheuerliche Spannung auf. Der Dauerregen konstrastierte die Erinnerungen an das Sommermärchen von 2006. Dazu lief in diesem Schuld-Gewitter immer wieder Heintje: „Ich bau dir ein Schloss so wie im Märchen.“ Das alles war so großartig, dass wir auch eine These aufstellen: Wäre der Münchner „Polizeiruf“ ein schwedischer Krimi, würde Hollywood bald ein Remake drehen.

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