Mambo Kurt sorgte mit seiner Orgel für ausgelassene Stimmung im Kulturzentrum Schlachthof

Der "Orgelgott" lädt die Rockgemeinde zur Polonaise 

„Maaammbooo!“: Der Mann mit der übergroßen Sonnenbrille faszinierte die Massen im Kulturzentrum Schlachthof. Foto: Schoelzchen

Kassel. Alleinunterhalter stehen im Musiker-Ranking ganz weit unten. Dem war nicht immer so, doch in den letzten fünfzehn Jahren besetzten DJs die Funktion des Zeremonienmeisters im Veranstaltungssegment und befreiten manche Partyzone von Showhemd und Kirmesspruch.

Das programmierte Grauen schien am Ende, bis Heimorgel-Spezialist Rainer Limpinsel alias Mambo Kurt mit einer Mischung aus Comedy und Hommage diesem Genre wieder Beachtung verschaffte. Bei seinem Konzert im gut besuchten Kulturzentrum Schlachthof verwandelte er mit seiner Yamaha Electone D-85 traditionelle Wirkungsbereiche in anarchistische Aktionsflächen und zapfte reichlich Fetenstimmung aus der klobigen Holztruhe.

Dass dies bei einem jugendlichen Publikum funktioniert, liegt an der Songauswahl und dem Faktor Kult, der ja bekanntlich dazu verführt, gesellschaftlich gesetzte Hemmschwellen würdevoll zu überschreiten. Mambo Kurt vereint Metalheads in einer Polonaise, zähmt wilde Erstsemestler mit Walzerschritten und animiert schüchterne Diskogänger, sich als Gogo-Tänzer auf der Bühne zu präsentieren. Und das bei „Smells like Teen Spirit“ (Nirvana) und „Enter Sandman“ (Metallica) - Songs, die er mit den Originalsounds der alten Orgel brillant in Szene setzt.

Musik ist Trumpf

Hits wie „Nein Mann“ (Laserkraft) und „Ein Kompliment“ (Sportfreunde Stiller) zaubert er aus einem Gameboy, und nach einer kurzen Zwischenmoderation erfolgt der Schwenk zu Hazy Osterwalds „Musik ist Trumpf“. Da blitzt der traditionelle Alleinunterhalter durch die Akkorde, das Basspedal blubbert 70er-Jahre- Heile-Welt-Atmosphäre und der Saal tobt. Gerade noch hat er sich von der Bühne in die Arme seiner Fans geschmissen, da sitzt er schon wieder brav bei Swing und Bossa nova hinter seiner Diskokugel und mimt den Schlagerfuzzi.

„Maaammbooo“, schallt es aus vielen Kehlen, und klar ist: Nie klang Geschmacklosigkeit so geil wie bei dem Mann mit der übergroßen Sonnenbrille.

Von Andreas Köthe

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