Kool Savas, der König des Deutsch-Raps, bringt das dritte Album in zwei Jahren raus

Poltern mit Kinderchor

Formuliert denkbar derb: Deutschrapper Kool Savas. Foto: tx/nh

So ein Arschloch ist verantwortlich für Deine Produktion?“ Das ist ein Satz, der sich als Diss im Hip-Hop jenseits aller Argumente anwenden lässt.

Auf „John Bello Story III“, dem neuen Album von Deutschrapper Kool Savas, überrascht die Aussage nicht. Was aber bemerkenswert ist: Der Satz kommt aus dem Mund von Klaus Kinski. Der ist bekanntermaßen oft und gerne ausgerastet. Savas sampelte für den Song „Mach doch deinen Scheiss“ ein Dutzend Beleidigungen und Flüche des Schauspielers und legt so die Battletrack-Messlatte für 2010 hoch. Doch schon der zweite Teil des Konzept-Mixtapes „John Bello Story“ deutete an: Der Berliner poltert eine kleine Spur weniger als zuletzt, bleibt aber technisch brillant: In Sachen Flow führt an Kool Savas kein Weg vorbei.

Auch wenn er in Sachen Verkauf den Kollegen aus den Ställen Aggro Berlin und Ersguterjunge die Spitzenpositionen überlassen muss: Was der ehemalige Vorsteher des leider aufgelösten Optik-Labels zeigt, überschreitet die Grenzen des Genres Mixtape bei Weitem, nicht ohne dessen spontanen Charakter zu verlieren. Bedeutet: Savas verlässt sich auf eine hinreichend lange Gästeliste. Moe Mitchell singt, Szene-Größen wie Franky Kubrik, Olli Banjo und Curse rappen, dazu die üblichen Optik-Nasen wie Ercandize oder Savas’ kleiner Bruder Sinan. Für die Beats zeichnete vornehmlich Melbeatz verantwortlich, Savas’ Haus- und Hofproduzentin, die sich diesmal mit Newcomer !Bazz zusammentat - die beiden sorgen für ein sehr definiertes, hübsch rasselndes und selten zu pathetisches Klangbild.

Natürlich gibt es wieder Hymnen. Die sind nicht erst seit „Der Beweis“ eines von Savas’ Standbeinen. „Immer wenn ich rhyme“ kommt mit cheesy Gesangs-Hook, satten Streichern und der üblichen Bildersprache über den einsamen HipHop-Kämpfer daher und gipfelt im Kinderchor.

„Die John Bello Story“ ist im Prinzip die Biografie des Rappers, allerdings erzählt von Franky Kubrick und Moe Mitchell. Dass das nicht kippt, liegt an den anderen Tracks, die mit großer Schnauze Richtung Konkurrenz poltern oder auch Dinge thematisieren, die jenseits des Schützengrabens liegen: So ist „Myspace“ ein derb formulierter, gelungener Seitenhieb Richtung soziale Netzwerke und ihr „Hi hi, kicher kicher, gelber Smiley, Zwinkerzwinker“ und „Techno Pilot“ die überfällige Persiflage auf den Mallorca-Schranz-Hip-Hop von Acts wie Frauenarzt und Co. (tx)

Kool Savas: Die John Bello Story III (Essah/Groove Attack). Wertung: !!!::

Kool Savas tritt am 1. Juni in den Kasseler Nachthallen auf. Karten: Tel.  0561-84044  .

Von Jochen Overbeck

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