Pop-Aufsteiger Bruno Mars will Image als Schnulzenkönig loswerden

Verkaufte von seinem Debüt sechs Millionen Alben: Der aus Hawaii stammende Musiker Bruno Mars (27). Foto: Warner

Es ist nicht gerade der unkomplizierteste Titel für ein Popalbum, „Unorthodox Jukebox“ dürfte selbst Muttersprachlern nicht leicht über die Lippen gehen.

Aber wer bereits mit einem ebenfalls schwer auszusprechenden Debüt wie „Doo-Wops & Hooligans“ einen solch durchschlagenden Erfolg hatte wie Bruno Mars, der muss sich nichts mehr vorschreiben lassen. Erst recht keinen Albumtitel.

„Auf der neuen Platte erlaube ich mir, voll und ganz ich selbst zu sein“, sagt der 27-Jährige, der noch nie ein Problem mit seinem Selbstbewusstsein hatte. „Gerade diese Kompromisslosigkeit halte ich für sehr wichtig, wenn man als Künstler wachsen will. Alles, was du auf diesem Album hörst, das bin wirklich ich. Die neuen Stücke dokumentieren meine Freiheit.“

Zehn Songs hat Bruno Mars auf „Unorthodox Jukebox“ versammelt, und es fällt zunächst einmal auf, dass sie eindringlicher, ruhiger, auch erwachsener klingen als jene des zwei Jahre alten Debütalbums. Produziert hat er mit seinem Team The Smeezingtons zunächst selbst, sich aber auch Hilfe von Cracks wie Mark Ronson und Jeff Bhasker geholt.

Das funkige und ganz schön unverwandt bei „Message In A Bottle“ und „Roxanne“ von The Police abgeschaute „Locked Out Of Heaven“ ist als Single bereits wohlbekannt und noch eine der schnellsten Nummern. „Gorilla“ kommt deutlich langsamer daher, gleichwohl ist es ein wundervoll intensiver, tiefer Song übers Liebe machen wie die Tiere, in diesem Fall eben wie die Gorillas. Der Text ist nicht unbedingt kindgerecht, auch bringt Mars mal lässig Kraftausdrücke wie „Motherfucker“ unter, was ihm in den USA Probleme bereiten wird. Aber er will eben deutlich machen, dass er nicht dieser harmlose Interpret kitschiger Popschnulzen ist, für den ihn manche nach der ersten Platte und romantisch-leichten Superhits wie „Grenade“ halten: „Ich bin erwachsener geworden.“

Als Peter Gene Hernandez kam er auf Hawaii zur Welt, machte dort schon früh als kleiner Elvis- und Michael-Jackson-Doppelgänger von sich reden und lebt seit zehn Jahren in Los Angeles - zunächst als Songschreiber, schließlich auch als Sänger seiner eigenen Lieder. Dabei musste er manchen Rückschlag wegstecken. „Mir sagten Plattenfirmenbosse ins Gesicht, dass meine Musik sich nicht einordnen ließe und deshalb unverkäuflich sei“, sagt er wütend. „Dabei halte ich es für eine große Stärke, mehrgleisig fahren zu können.“

Auf „Unorthodox Jukebox“ liebäugelt Mars stilistisch stark mit den 80er-Jahren. „When I Was Your Man“, eine traurige Klavierballade, könnte auch einem Elton John gut zu Gesicht stehen, das hymnische „Young Girls“ lehnt sich an den Powerrock der damaligen Zeit an. „Moonshine“ schließlich, in dem es schon wieder um Sex geht, verbeugt sich mit den vielen Synthies und der souligen Luftigkeit schließlich vor Brunos größtem Idol Michael Jackson.

Bruno Mars: Unorthodox Jukebox (Warner).

Wertung: Vier von fünf Sternen

Von Steffen Rüth

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