Pop-Band Erdmöbel: "Weihnachten ist die Hölle"

Jahr für Jahr versüßt die Pop-Band Erdmöbel ihren Fans Weihnachten mit einem Lied. Nun lassen die Kölner James Last wiederauferstehen und gastieren in Kassel. Das wird schräg und schön.

Spätestens wenn die tolle Kölner Pop-Band Erdmöbel ihre „Jahresendlieder“ veröffentlicht, weiß man, dass bald Weihnachten ist. 2007 machte das Quartett aus „Last Christmas“ von Wham „Weihnachten ist mir doch egal“. Nun haben Erdmöbel drei neue Lieder aufgenommen - unter anderem eines mit Schauspielstar Ulrich Matthes sowie eine Hommage an James Last. Wir sprachen mit Sänger Markus Berges (49) und Bassist Ekki Maas (56) vor ihrer Weihnachtsshow diesen Samstag im Kasseler Theaterstübchen.

Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke?

Ekki Maas: Nein, aber meine achtjährige Tochter hat bereits einen umfangreichen Wunschzettel geschrieben. Leider stehen dort auch Sachen drauf wie Zaubern-Können. Das kann man nicht erfüllen.

Markus Berges: Meine Tochter ist zehn und wünscht sich ein Pferd. Das kriegt sie aber nicht.

Die armen Mädchen. Was macht ein gutes Geschenk aus?

Maas: Es ist schön, wenn man ein Geschenk hat, das auch gewünscht wird. Dann freut sich der Beschenkte.

Aber ist es nicht ein bisschen langweilig, einfach den Wunschzettel abzuhaken?

Berges: Der Andere muss sich halt etwas Gutes wünschen, so dass man denkt: Das wäre aber geil, das zu verschenken. Mit der Originalität sollte man es nicht übertreiben.

Maas: Davon handelt auch unser Lied mit Ulrich Matthes. Der bekam Weihnachten 1970 eine Melodica geschenkt, worüber er sich furchtbar geärgert hat. Er dachte, seine Eltern liebten ihn nicht mehr. Er hasst das Instrument bis heute so sehr, dass er es auch nicht auf unserer Aufnahme haben wollte. Wir haben es trotzdem drin gelassen.

2011 haben Sie ein Weihnachtslied mit der Schauspielerin Maren Eggert („Tatort“) aufgenommen. Ist es schwierig, solche Stars zu bekommen?

Maas: Nein, die meisten Leute, die mit Kultur zu tun haben, kennen uns. Mittlerweile werden wir sogar angefragt. Ulrich Matthes haben wir im Deutschen Theater in Berlin getroffen. Er fragte uns: „Wann kann ich denn mal ein Lied für euch singen?” Eine Woche später saß er bei uns in Köln im Studio.

Ist Weihnachten für Sie die schönste Zeit des Jahres oder die Hölle?

Berges: Ausgangspunkt war für uns die Erkenntnis, dass Weihnachten die Hölle ist und viele Dinge nerven. Wir haben uns dann Lied für Lied unser eigenes Weihnachten gebastelt. Irgendwann ist eine ganze Show daraus geworden.

Maas: Die meisten Menschen leiden unter den vielen Zwängen. Wir nehmen uns die Freiheit, Weihnachten so zu feiern, dass es Spaß macht. Meist entsteht eine sehr ausgelassene Stimmung.

Berges: In Hamburg gab es sogar einmal eine Polonäse. Dabei spielen wir auch sehr traurige Lieder. Viele gute Weihnachtslieder sind traurig.

In den USA und England veröffentlichen Künstler wie Sufjan Stevens jedes Jahr tolle neue Weihnachtsalben. Warum gibt es so etwas nicht in Deutschland?

Maas: Weil in Deutschland immer das Schwere vorherrscht. Das muss weg. Unser Ziel ist eine neue Leichtigkeit. Von diesen ganzen kitschigen Weihnachtsalben mit Klingelingeling, wie sie Stars wie Sarah Connor aufnehmen, kriege ich schlechte Laune.

Hadern Sie manchmal damit, nicht den kommerziellen Erfolg zu haben, den Sie längst verdient hätten?

Berges: Nach all den Jahren nicht mehr. Aber immer wenn wir ein neues Album aufgenommen haben, denke ich: Das müsste jetzt ein richtiger Hit werden.

Berges: Die Leute erwarten von uns, dass wir anders sind. Wir sind nicht extra schwierig, wir sind einfach so. Übrigens finden Kinder unsere Sachen meistens gut. Unsere Familien können wir mit Erdmöbel allein aber nicht ernähren. Wir haben noch andere Jobs. Sonst wären wir bitterarm.

Zur Band

Die Mitglieder: Ekki Maas (Bassist), Markus Berges (Gesang, Gitarre), Christian Wübben (Schlagzeug) und Wolfgang Proppe (Keyboard).

Gegründet: 1995 in Münster.

Wohnort: Köln. Der Name: Ist die DDR-Bezeichnung für Särge.

Sonstiges: Berges wird von Kritikern als „großer zeitgenössischer Lyriker“ gefeiert. Im März erscheint zudem sein Roman „Die Köchin von Bob Dylan“.

Das Album: „Geschenk +3“ (Jippie). Wertung: vier von fünf Sternen

Das Konzert: Samstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Kasseler Theaterstübchen, Jordanstraße 11. Tickets: 0561/203-204.

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