HNA-Gespräch

Pop-Duo Milky Chance im Interview: "Wir bleiben in Kassel"

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Global erfolgreich, in Kassel zu Hause: Philipp Dausch (links) und Clemens Rehbein beim Interview an der Stadthalle.

Kassel. Demnächst tritt das Kasseler Pop-Duo Milky Chance noch in Zürich und Südafrika auf. Uns haben Clemens Rehbein und Philipp Dausch in einem Interview erzählt, was sie vorhaben, bevor 2016 ihr zweites Album erscheint.

Ihr habt in einem Jahr 100 Konzerte gespielt. Nun beginnt die Kreativpause. Was werdet ihr demnächst machen?

Clemens Rehbein: Erst einmal gar nichts. Wir freuen uns darauf, keine geplante Woche zu haben. Der Plan ist, gar keinen Plan zu haben.

Was kann man von dem neuen Album erwarten, das nächsten Sommer erscheinen soll? 

Rehbein: Es wird bestimmt kein Party-Album werden, die Stimmung bleibt melancholisch. Wir planen nichts komplett Neues. Es wird derselbe Brei sein, aber auch ein bisschen weiterentwickelt. Wir überlegen, andere Instrumente zu benutzen. Vielleicht klopfen wir stupide auf ein Stück Holz. Vielleicht besorgen wir uns eine indische Trommel.

Philipp Dausch: Eine Nasenpfeife wäre nicht schlecht.

Wo wird der Nachfolger für „Sadnecessary” entstehen? 

Rehbein: Wir wollen das Album wieder in Kassel mit Freunden aufnehmen. Hier fühlen wir uns am wohlsten und sichersten.

Angeblich will US-Starproduzent Rick Rubin mit euch arbeiten, der schon für den Sound der Beastie Boys und von Johnny Cash verantwortlich war. 

Rehbein: Wir haben ihn auf seiner Ranch in Malibu kennengelernt, ein total netter Typ, sein Studio ist der Hammer. Aber der Schritt, von zu Hause wegzugehen und etwas mit einem Typen zu machen, der so einen krassen Namen hat, war uns noch zu früh.

Ihr habt „Stolen Dance” als „Baby” und „Monster” bezeichnet. Könnt ihr den Mega-Hit überhaupt noch hören? 

Als Schüler spielten die beiden in der Jazz-Band Flown Tones. Vor fünf Jahren porträtierte unser Fotograf die Band mit (von links) Rehbein, Markus und Sarah Thiel, Dausch sowie Julian Reeh.

Dausch: Er geht uns nicht auf die Nerven, wir sagen nicht: „Bitte nicht schon wieder.” Aber wir haben schon Bock, neue Sachen zu spielen.

Rehbein: Wir spielen den Song für die Leute und nicht für uns. Man entwickelt sich ja auch musikalisch weiter und spielt die alten Songs etwas anders. Du willst als Redakteur ja auch nicht jeden Tag den selben Artikel schreiben.

Wie übersteht man so einen Mega-Erfolg, ohne abzuheben? 

Dausch: Vielleicht sind wir ja doch abgehoben.

Alle, die man fragt, sagen: „Die sind genauso wie früher.”

Rehbein: Wenn Freunde das sagen, kann man viel davon halten. Das freut einen.

Dausch: Ich glaube, wir fühlen uns in Kassel einfach viel zu wohl. Wir kämen gar nicht auf die Idee, einen ganz anderen Lebensstil zu führen.

Rehbein: Freunde und Familie halten einen am Boden. Man hätte auch in eine Metropole ziehen und dort Highlife feiern können, aber da haben wir nie dran gedacht. Vielleicht werden wir irgendwann auch mal woanders wohnen. Aber wir würden bestimmt wieder zurückkommen.

Mittlerweile gelten Milky Chance als Trendsetter. Wenn irgendwo ein Junge mit Gitarre, Beats und melancholischen Songs auftaucht, heißt es, Milky Chance könnte das Vorbild sein. 

Dausch: Das ist schon eine krasse Ehre, wenn man hört, andere kreativ beeinflusst zu haben. Aber wir haben das Rad nicht neu erfunden.

Rehbein: Unseren Sound gab es auch schon vorher. In der Musik wird nur selten etwas neu erfunden. Es wird meist einfach neu zusammengesetzt.

Wird aus dem Pop-Duo Milky Chance bald ein Trio mit Antonio Greger, dem Live-Gitarristen? 

Rehbein: Das ist eigentlich nur für die Live-Auftritte gedacht, aber natürlich geht das auch ein Stückchen ineinander über. Wenn wir zu dritt auf der Bühne stehen, lernen die Leute auch den Mundharmonikaspieler kennen und wollen Fotos mit Antonio haben.

Ihr macht zusammen Musik, seid auf Tour und lebt nicht weit voneinander entfernt. Geht ihr euch nicht manchmal auf den Sack? 

Dausch: Überhaupt nicht. Wir machen auch viel mit anderen Freunden. Und wenn man von einer Tour nach Hause kommt, sieht man ohnehin erst einmal die anderen Kumpels. Es ist nicht so, dass wir uns dann auf der Straße treffen und sagen: „Ach nee, du schon wieder.”

Manche nennen euch „die beiden Kiffer von Milky Chance”. Ärgert ihr euch über dieses Bild der gechillten Typen?

Konzert von Milky Chance in der Kasseler Stadthalle

Rehbein: Mich nervt es, dass Images nur darauf heruntergebrochen werden. Leute sagen, der ist ein verchillter Kiffer, und für den Rest interessieren sie sich überhaupt nicht mehr. Das ist extrem langweilig. Ich denke in solchen Momenten nur: „Sag es noch tausend Mal und freu dich daran.”

Wie seid ihr in Wirklichkeit? 

Rehbein: (lacht) Wir sind bestimmt sehr entspannt, aber wir machen auch noch viele andere Sachen.

Milky Chance vor ihrem Konzert in der Kasseler Stadthalle

Zu den Personen 

Clemens Rehbein (Gesang, Gitarre) und Philipp Dausch (Beats, Percussion, beide 22)

Ausbildung: Abi an der Kasseler Jacob-Grimm-Schule (2012)

Anfänge: Rehbein und Dausch spielten zunächst in der Jazzband Flown Tones. 2013 gründeten sie das Duo Milky Chance. Allein die Single „Stolen Dance“ wurde weltweit mehr als zweieinhalb Millionen Mal verkauft.

Privates: Beide wohnen in Kasseler WGs und spielen gern Basketball.

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